Kulinarische Begegnungen 46 – Günnis Langustenbude

Firmenausflug nach Mallorca, etwa einhundertfünfzig Menschen aus dem Bundesgebiet treffen sich für ein paar Tage zwecks Kommunikationsintensivierung. Dabei auch der harte Kölner Kern……Günni, der schon x-mal in Palma war und dort jeden Stein zu kennen scheint, schlägt abends beim Wein vor, am nächsten Tag eine „Langustenbude“ zu besuchen, die er ganz nachdrücklich empfiehlt. Also bestellen wir für die Kölner Gang an der Hotelrezeption für den nächsten Vormittags ein paar Mietwagen. Günni im Jeep vorweg, die anderen im Konvoi hinterher. Die Fahrt dauert etwa eine halbe Stunde und irgendwann biegt Günni von der Hauptstraße an der mallorcinischen Westküste an auf einen staubigen Feldweg. Nichts deutet darauf in wohin es geht, kein Ortsschild, kein Restaurantschild. Kurze Handy-Kommunikation mit dem Jeep, alles bestens, wir sind goldrichtig. Es geht steil bergab, die Strasse wird immer enger und dann sehen wir die Bremslichter des Jeeps. Wir sind da. Und tatsächlich entdecken wir hinter einer Hecke einen flachen Steinbau, tatsächlich eine Art Restaurant. Zwar nicht am Meer, aber mit Meeresgeruch.

Als die zehn hungrigen Leute den Laden betreten reibt sich der Wirt hinterm Tresen bereits die dicken Hände. Das riecht ja förmlich nach dicker Zeche. Tische werden zusammengeschoben und neu eingedeckt……Und weil wir ja wegen der Langusten hier sind, brauchen wir keine Speisekarte, Günni  bestellt sofort das Meeresgetier, geht zum Bassin in der Mitte des Restaurants und sucht drei Tiere aus, die in die Küche getragen werden. Wein für alle, wie immer reichlich, und zwar vom Guten. Und zum Start wären auch zehn Brandys so verkehrt nicht, also auch wie immer.

Der rustikale Laden hat Platz für vielleicht vierzig Personen und ist gut besucht, nahezu alle Tische sind besetzt, die rot-weiß karierten Tischdecken und das gesamte Mobiliar so recht touristisch. Egal, wir sind ja wegen der Langusten hier. Der Wirt, jovial wie aus dem Bilderbuch, das Servicepersonal kurz vor den Pensionsgrenze und die übrigen Gäste wahrscheinlich Düsseldorfer Porschefahrer mit hochgestelltem Polokragen. Unser Tisch ist aber auch nicht dezent, zehn Kölner können sich nicht ruhig unterhalten, vor allem dann nicht, wenn sie hungrig sind. Das Brot ist rasch verputzt, die ersten Weinflaschen sofort verdunstet und dann kommt der erste Gang, eine Art Fischsuppe aus Langustenteilen. Gar nicht schlecht, dampfend, aromareich, lecker. Doch, das war nicht übel und steigert die Vorfreude auf Kommendes. Zweizackige lange Gabeln werden eingedeckt, Schüsselchen mit Zitronenwasser für die Fingerreinigung gebracht und dann kommen große Platten mit gegrillten Langustenteilen. Die sind schon zerhackt, quasi mundgerecht serviert. Und schmecken göttlich. Stille am Tisch, andächtiges Genießen, vernehmbares Schlürfen. Das eine oder andere Bäuerchen. Saulecker. Günni stolz wie Oskar, „meine Rede“…..man kennt das.

Es kam dann später noch eine Crema Catalana, es kamen noch einige Brandys und dann kam die Rechnung. An die hatte ja nun gar keiner gedacht, nur Barzahlung war erwünscht. Und wir hatten Mühe, die Gesamtsumme in bar zusammenzubringen, es war eine gesalzene Rechnung.

War aber alles nur Vorspiel, denn das, was am nächsten Abend in Palma passierte, ist bis heute unerreicht.

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