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Kulinarische Begegnungen 76 – Raval

12. Februar 2019

Als ich vor etwa zwanzig Jahren das erste Mal in Barcelona war, konnte ich in jedem Reiseführer die Warnung lesen, nach Einbruch der Dunkelheit das Raval-Viertel nicht aufzusuchen.

Hier gibt es Strassenzüge, in denen nur Pakistani leben, andere für Südamerikaner, es gibt Strassen, da leben fast ausschließlich Marokkaner. Und je tiefer man in das Viertel eintaucht, desto dunkler die kaum vorhandene Strassenbeleuchtung und desto zahlreicher die oft obskuren Eckensteher. Puff und Porno, Drogen aller Art, große Hunde – hier im Raval ist das Eldorado für die echten Rock ’n‘ Roller. Taschendiebe sind hier zuhause, eigene Polizeistationen und permanente Polizeistreifen auf Motorrädern. Die Bronx von Barcelona.

Tagsüber gibt es im Raval ein typisches Geräusch, die donnernden Metallrollen der Skater, die hier ihren Treff- und Übungsplatz vor dem MACBA haben und nachts die Polizeisirenen. Das alles war schon vor zwanzig Jahren so und in den letzten Jahren ändert sich das langsam. Die Stadt hat viel in das Viertel investiert, angefangen von neu asphaltierten Strassen, neu angelegten Bürgersteigen, unterirdischer Müllabfuhr, täglicher Sperrmüllabholung etc. Es gibt neue Hotels, neue Museen, immer mehr frei geschaufelte Plätze und mit der Zeit wird das Barrio Raval ziemlich hip. Restaurants, Boutiquen, Bars – all das zieht eine andere Klientel an, die Atmosphäre des Viertels hat sich geändert.

Bis vor einige Monate gab es auf der Rambla del Raval eines meiner Lieblingsrestaurants, die Taverne de Succulent. Im Souterrain gelegen, damals von Carles Abellan gemanagt und als Spezialität angeräucherte Sardinenfilets. Eine Zeitlang war ich täglich deswegen dort, für den kleinen Imbiss zwischendurch…..Leider inzwischen geschlossen. Aber das Viertel ist voller feiner Überraschungen. Immer wieder.