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Kulinarische Begegnungen 44 – Hohenzollern-Gelage

30. Oktober 2018

Seit mehr als zwanzig Jahren findet mindestens einmal jährlich mit der alten Gang an der Ahr ein sogenanntes „Wildessen“ statt, hier im Weblog seit Jahren auch dokumentiert. Zehn trainierte Esser und Trinker treffen sich in verschiedenen Restaurants an der Ahr um die dortigen Weine zu schlürfen, vor allem aber erlegtes Wildbret aus der Region zu verspeisen. Werner Sch. der Eifelscout der Gruppe und Winzer kümmert sich jedes Jahr nicht nur um die Unterkünfte sondern spricht auch immer mit den jeweiligen Köchen die Menufolge im Detail durch.

Das Wildessen, über das hier berichtet wird, war in vielerlei Hinsicht besonders. Das begann schon damit, dass Werner Sch. nichts, aber auch gar nichts vorher verraten hatte, was auf die Teller kommt. Normalerweise kann er selber vor lauter Vorfreude den einen oder anderen Gang nicht für sich behalten – diesmal schwieg er eisern. Das hätte uns schon stutzig machen müssen. Ebenfalls stutzig werden müssen hätten wir auch, als er zum Start im Foyer des Restaurants Hohenzollern keinen Riesling-Sekt orderte sondern Champagner. Da haben wir ja auch nichts gegen einzuwenden. Das ist die Ansage dafür, dass es diesmal so richtig krachen sollte.

Und als wir nach dem zweiter Fläschchen Champagner dann den für uns eingedeckten separaten Gastraum betraten und die dort ausgelegten Speisekarten studierten, war klar warum Werner nix verraten hatte. Denn seine Menuauswahl sollte nie wieder in Qualität und Quantität erreicht werden. Er hatte so ziemlich alles bestellt, das es an Wildbret gibt. Von Fasan über Hase, von Rehrücken und Hirschmedaillons, von Wachtelbrüstchen bis hin zu diversen Wildschinken. Die Speisekarte hatte es wirklich in sich und die anwesenden Frauen stöhnten schon beim lesen.

Werner behielt Nerven wie immer. Und auch wie immer bestellte er mal so an die 12 verschiedene Flaschen Wein, ließ sie alle aufziehen, „die brauchen ja Luft……“ und bestellte sich ein Bier. Auch wie immer.

Es würde hier zu weit führen die einzelnen Gänge im Detail zu beschreiben, denn die Teller waren nicht als Miniportionen bestellt, sondern „old-school“, will heißen komplettes Programm jeweils. Waren wir anfangs noch frohen Mutes angesichts der Menukarte, so änderte sich das quasi von Gang zu Gang. Dür Gürtel wurden unauffällig weiter geschnallt, der eine oder andere Knopf geöffnet und bald schon waren die nächsten zehn Flaschen geöffnet. Es floß in Strömen. Es war ein Fest. Die Frauen hatten aber dann doch irgendwann aufgegeben, das eine oder andere Fläschchen Mineralwasser wurde eingeschoben. Doch wir waren noch lange nicht am Ende. Denn gerade, als wir den ersten Verdauungsgrappa odern wollten, kamen die Kellner mit einer kompletten geschmorten Wildschweinkeule. Ein Bilderbuchteil, drappiert auf einem großen Silbertablett  Aufschrei von allen. „Hinweg damit….!!!!!“ Nix geht mehr. Alle hingen erschöpft in den Seilen, die Wangen glühten, die Zigaretten qualmten und die Weine wurden immer schwerer. Werner trank weiter Bier. Wie immer. Die Wildschweinkeule ging komplett zurück in die Küche, das Personal wird sich gefreut haben und schickte statt dessen noch so einiges an Desserts raus. Nur für die Männer selbstverständlich.

Nach sechs Stunden, x Flaschen Wein war Schluß, kurz vor der Ohnmacht. Und selbst die paar Stufen in die obere Etage zu den Hotelzimmern schafften wir nur Dank des Aufzuges.

Seither ist Werner verpflichtet, uns allen vorher zu beichten, was er bestellt hat. Daran hält er sich meistens…….