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Kulinarische Begegnungen 41 – Casoli

27. Oktober 2018

Im Hinterland der versilianischen Küste der nördlichen Toskana befindet sich ein Dorf namens Casoli. Zu erreichen ist es nur über eine ziemlich schwierig zu fahrende Serpentinenstrasse, meist nur so schmal, dass gerade ein Auto passieren kann. Nino V. hatte hier oben in den Bergen, dort wo die Strasse endet, vor Jahren sein Wochenendhaus gebaut, das er mir für einige Tage zur Verfügung gestellt hatte. Wir waren gemeinsam hier hoch gefahren, er hatte mir das Haus erklärt, den Dorfplatz gezeigt und war dann zurückgefahren. Das Dorf bestand eigentlich nur aus etwa 10 Häusern rund um einen nicht asphaltierten Platz. Es gab ein Geschäft für alles, gleichzeitig Bar, gleichzeitig Bäckerei. Sonst nichts. Die Bewohner des Dorfes alle weit über 70 Jahre, die Frauen alle in schwarz gekleidet.

Gespenstische Stille nicht nur nachts, nur aus der Ferne hörte ich ab und an jaulende Tiergeräusche, auch tagsüber war so gut wie nichts zu hören. Stille meist, ab und zu ein Moped. Eine kleine Bialetti auf Ninos Gaskocher versorgte mich mit Kaffee und der Laden…..der machte Stullen. Und zwar die besten Stullen ever. Und obwohl das alles inzwischen über dreißig Jahre her ist, weiß ich noch wie diese Stullen aussahen. Zwei etwa zwei Zentimeter dicke Weißbrotscheiben mit hundert Gramm Salami oder Schinken belegt. Zusammengeklappt, in der Mitte durchgeschnitten, in Pergamentpapier eingewickelt. Ich hatte Mühe überhaupt reinzubeißen aber es lohnte sich. Jedesmal. Die Salami ein Gedicht, der Schinken eine Offenbarung. Und auch der Pecorino, der nebenan in einem der Häuser gemacht wurde, lohnte jeden Bissen.

Am nächsten Tag dann Lärm. LKWs kamen, diverse Feuerwehrautos rauschten auf den Platz, eine Blaskapelle erschien, Bierkästen wurden aufgestellt, große Tische auf den Platz drappiert. Die freiwillige Feuerwehr der Gegend machte ihr Jahresfest hier in Casoli, in der tiefsten Toskana-Pampa. Und die Jungs ließen es so richtig krachen. Und was aßen sie? Stullen wie meine, dazu Spanferkel, Speck und Lardo. Reichlich. Alkohol floß in Strömen, gesungen wurde auch, von allen.

Jedesmal, wenn ich heute italienisches Weißbrot sehen, denke ich an diese Stullen…..von mir selbstgemacht schmecken sie lange nicht so toll wie damals. Klar: verklärt.