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Kulinarische Begegnungen 38 – Wenn der Pfarrer mit trinkt

17. Oktober 2018

Guiseppe, Architekt im Ruhestand, Georgio, Geschäftsführer im Ruhestand und Antonio, Pfarrer im Ruhestand. Drei Senioren, die sich seit Kindesbeinen kennen, alle drei topfit, trinkfest und wandersfroh. Ihr Plan: Eine Woche Barcelona mit Ausflügen ins Hinterland. Wir sollen das mal organisieren. Mehr Wein- als Wandertour und ab und zu was feines essen wäre ja auch nicht so schlecht……Wenn ich gewußt hätte, was da auf mich zukommt. Als Rheinländer kennt man sich ja aus mit frechen Sprüchen und aus der Hüfte formulierten Späßchen – es reichte nicht gegen diese Übermacht an Witzbolden.

Das ging schon beim Frühstück los, für das wir uns in unserer Lieblingsbar um die Ecke verabredet hatten. Cafe und Croissant für uns, das große Besteck für die Herrschaften. Da kam dann alles auf den Tisch, was die kleine Karte hergab: Speck mit Rührei, Schinken, O-Saft, kleines Müsli, Croissants…“Wir brauchen ja eine Grundlage….“ Kaffee in verschiedenen Varianten, noch ein Fläschen Mineralwasser fürs Bäuerchen, die anderen Gäste in der Bar waren ausser sich vor Spaß. Und die drei Herrschaften schien das nur noch zu befeuern. Der spanischen Sprache in keiner Weise mächtig gings nun an die Konversationsversuche mit den Einheimischen, wovon ich allerdings wenig mitbekam, denn ich bin raus vor die Türe, ein wenig Nikotin inhalieren.

Irgendwann waren sie genug gestärkt und bereit für alle Schandtaten dieser Welt. Alle drei voller Tatendrang für eine erste Orientierungsrunde durch Barcelona. Und dort sind ja die kulinarischen Verführungen omnipräsent. Während wir so durch die Altstadtgassen schlendern, entdecken wir eine alte Bodega, Schinken an der Decke, Konserven bis zur Decke, die kleine Theke übervoll mit Wurst- und Käsewaren, kleine Marmortische und hintendurch eine Weinbar. Na wenn das nicht mal Gelegenheit ist, ein erstes Gläschen Cava zu ordern. Wir nehmen Platz, die drei schauen sich um, sind begeistert, die Gläser blitzschnell geleert und nicht spricht doch dagegen, direkt ne Flasche zu bestellen, ist ja auch preiswerter als die offenen Gläser. Gesagt, getan, geleert. Die Stimmung bestens, es wird rumgeblödelt wie in Jugendzeiten. Und weiter gehts.

Guiseppe, der schon ein paar Mal in Barcelona war, erinnert sich an eine kleine Bar, in der es ausschließlich frittierte Sardinen gibt, da soll es als nächstes hin. Kein Problem, es ist ja noch früher vormittag, wahrscheinlich hat die Bar „La Plata“ schon offen. Und auf dem Weg dorthin fallen ihm auch noch einige andere „Schuppen“ ein, die er in Erinnerung hat, muss er seinen Kumpel alle noch zeigen. Antonio, der Pfarrer, der sich bis dahin etwas im Hintergrund gehalten hatte und unterwegs mehr an den Kirchen- als an den Restaurantbauten interessiert war, taut langsam so richtig auf. Seine Sprüche, seine Kommentare lassen mein Zwergfell zum Muskelkater gerinnen. Es zerreißt mich vor lachen. Kaum haben wir das „La Plata“ erreicht, sogar noch alle einen Sitzplatz ergattert und die erste Runde Pescaditos geordert, die von den drei ganz selbstverständlich brüllend heiß mit Kopf und Schwanz und Gräten verputzt werden, taucht die Frage nach dem dazu passenden Getränk auf. Weil ich weiß, das der Wein hier eher zum Zähneputzen geeignet ist, empfehle ich ein Quinto, kleines Bierchen 0,2 ltr…. Fehler. Was sind denn das für kleine Parfumfläschchen? Davon brauchen die Kerle erstmal zwei weitere und sind nun auch wieder bereit, den Bummel fortzusetzen. Denn das war ja gerade schön appetitanregend.

Also wie gewünscht ins „Vaso D’oro“, eine schlauchartige Bar mit langer immer gut bestückter Tapastheke und einer offen sichtbaren Plancha. Und genau dort bekommen wir einen Platz. Grundsätzlich werden in dieser Bar „Flautas“ bestellt, schmale Pilsgläser, 0,3 ltr. Die stehen schnell vor uns und nun müssen erstmal die einzelnen Tapas besichtigt bzw. erklärt werden. Während dessen ist der Koch an der Plancha ganz in seinem Element, fügt noch das eine oder andere Messerkunststück in seine Demonstration ein und als die drei bemerken, was da produziert wird (Solo mio mit Foie) war klar, was passiert. Haben wollen. Drei Portionen bitte und drei weitere Flautas. Die Steaks werden medium auf der Planche gebraten, in kleine Stücke geschnitten und dann großzügig mit gehobelter Foie Gras überzogen. Die drei sind ehrfürchtig, ganz still lassen sie die butterzarten Fleischstückchen auf ihren rauen Zungen zergehen.

Dann  gehts weiter, durch den Hafen, Richtung Meer. Das kann den Herrschaften in keinster Weise imponieren, sind sie doch hartgesottene Bergfans, die in Südtirol jeden Berg persönlich erklommen haben. Meer ist viel zu flach und die salzige Luft macht ohnehin nur durstig. Auf dieses Stichwort reagieren sie prompt. Wie wärs denn mit einem Abschlussbier vor einer feinen längeren Siesta? Guiseppe möchte zum „Cova Fumada“, das er aus früheren Barcelonabesuchen bestens in Erinnerung hat. Wie erwartet ist der Laden jetzt schon brechend voll, Höllenlärm und wie gedacht müssen wir erst mal am Tresen warten, bis uns ein Tisch zugewiesen wird. Prima, dann kann Giorgio sich vor die Küche stellen, zusehen, was da so alles auf den Tellern rausgetragen wird und seinen Kumpels Details erklären. Sepia a la plancha, Percebes, Bombas etc. Speichelfluss bei allen dreien, der Pfarrer bekommt vor Vorfreude roten Wangen.

Dann ist es soweit, wir bekommen unseren Tisch und jetzt heißt es rasch bestellen. Das übernimmt selbstredend Guiseppe, er hat sie Schiefertafel komplett auswendig, ein paar Bierchen dazu und dann beginnt ein weiteres Gelage……..