Posts Tagged ‘Kulinarische Begegnungen 32 – Bei Steinheuer ohne jeder Erinnerung’

Kulinarische Begegnungen 32 – Bei Steinheuer ohne jeder Erinnerung

10. Oktober 2018

Es muss an die fünfzehn Jahre her sein, ganz zu Beginn unserer inzwischen traditionellen „Wildessen an der Ahr“ mit der Gang. Wir reservieren bei Steinheuer in Heppingen und vorher bei Mayer-Näkel in Dernau. So der Plan. Wie meistens organisieren wir einen Bus, der uns von Köln an die Ahr und wieder zurück fährt. Ganz ordentlich, niemand muss mehr seinen eigenen Wagen bewegen müssen. Unser Eifelscout, der für diese Veranstaltungen bestens geeignet ist, hatte alles organisiert. Werner Näkel himself in seinem Privatkeller hatte das eine oder andere Rotweinfläschchen geöffnet, das eine und andere Spätburgundertröpfchen war durch die Kehlen geronnen und für den ersten kleinen Hunger gab es dort schon feine Häppchen. Der Winzer in Hochform, wir sowieso und es ergab sich wie von selbst, dass mit zunehmender Dauer der Weinprobe die Gesichter zu glühen begannen. Denn niemand von uns konnte den Schluckimpuls unterdrücken angesichts der ausgeschenkten Granatenweine, kurzum, wie hatten alle einen leichten sitzen.

Es wurde Zeit aufzubrechen, um mit dem Bus nach Heppingen zu fahren, der Tisch für zehn war für zwanzig Uhr reserviert. Werner, der Eifelscout, der dort jeden Stein kennt, macht den Beifahrer und erklärt dem Busfahrer den Weg. Versucht es, verfährt sich mehrfach, es wird eine Irrfahrt durch das Ahrtal bis wir schließlich vor dem Restaurant halten. Damals war das Gourmetrestaurant von Stefan Steinheuer noch nicht umgebaut, es hab noch einen mit Glasscheiben abgetrennten „Gruppenraum“, der gür uns eingedeckt war. Bestens gelaunt und inzwischen  mehr als hungrig betreten wir das Restaurant. Nicht distinguiert, wie es sonst unsere Art ist, sondern scherzend und lachend. Pikierte Gesichter der bereits anwesenden Gäste.

Und weil wir nach der Rotweinprobe jetzt erstmal Bierdurst verspüren, wird ne Runde Pils bestellt, für den schnellen Genuss.

Die Stimmung steigt, die Zigaretten glühen (das ging damals noch) und Günni zelebrierte einmal mehr seine kubanische Zigarre. Und das Menu beginnt. Sternequalität ohne Zweifel, alles vom Feinsten. Und wir genießen. Werner hatte lange in die Weinkarte geschaut und acht Flaschen aufziehen lassen, die waren jedoch auch schnell leer…..Kurzum, es war ein Gelage. Feinste Fischkreationen, Fleisch aus der Eifel, ein Sternemenu.

Am Tag danach schauten wir uns an, ratlos. Niemand, wirklich keiner von uns konnte sich auch nur an ein Gericht erinnern, das wir abends zuvor geschlemmt hatten. Filmriss bei allen. Peinlich.

Bei allen Besuchen seither bei Stefan Steinheuer erinnere ich mich natürlich an jenen Abend und achte streng darauf nicht mehr ale eine Flasche Wein dort zu bestellen. Aus Respekt vor der Küche. Und aus nachträglicher Verlegenheit.