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Kulinarische Begegnungen 27 – El Bulli

3. Oktober 2018

Nachdem wir 2006 unsere ersten Proben der Molerkularlüche von Ferran Adria in der Hacienda Benazuza in Sanlúcar la Mayor bei Sevilla erlebt hatten, gelang es der Chefin de Cuisine auch zwei Plätze im El Bulli zu ergattern. Das war kein leichtes Unterfangen, mehrere Jahre war es misslungen. Denn es gab nur einen Tag im Jahr, an dem die ca. 8.000 Plätze der Saison vergeben wurden, demgegenüber sollen bis zu einer Millionen Anfragen gestanden haben. Also wurden alle Rechner nach scharf gestellt und Punkt 0.00 Uhr aufs Knöpfchen gedrückt…….Jedenfalls im Juni 2007 war es dann soweit, die Bestätigungs-E-Mail war gekommen und wir hatten einen kompletten Urlaub um den Besuch im El Bulli gelegt.

Von Barcelona aus die Küste hoch ist immer lohnend, nicht nur kulinarisch passiert hier einiges…..Die Cala Montjoy in Rosas zu finden war nicht schwer, das Restaurant El Bulli war sehr gut ausgeschildert und die Serpentinenstrecke in die Bucht neu ausgebaut. Der Ruf und die Reputation dieses Restaurants hatte uns extrem neugierig gemacht, die Erwartungen waren hoch wie nie zuvor. Was würde uns nun erwarten, welches Kochspektakel würde auf uns zukommen? Seinerzeit war auch die Deutschland die Presse voller Berichte über diesen verrückten Koch, der so alles auf den Kopf zu stellen schien, was bis dahin in den Gourmetküchen dieser Welt üblich schien.

Als wir die hübsche Bucht mit unserem Mietwagen erreichten, den Kleinwagen neben einschlägige Luxuskarossen geparkt hatten, die Kleidung gerichtet und noch ein finales Zigarettchen inhaliert hatten, ging es ein paar Stufen hoch zum Restaurant. Sofort wurde die Türe aufgerissen, a warm welcome und bevor wir unseren Tisch zugewiesen bekamen ging es erst mal in die Küche zur Begrüßung des Chefs. Das war wohl üblich. Kurzer Händedruck, ein paar erläuternde Worte zur Küche zum beginnenden Gewusels der Köche, das waren mindestens fünfzig Personen, die hier meist ohne Gage werkelten.

Das wars in der Küche, nun also an unseren Tisch. Wer nun dachte in diesem Experimental-Restaurant auch eine avandgardistische Einrichtung zu finden, sah sich ziemlich enttäuscht. Das Ambiente rustikal spanisch, schwere Holzmöbel, alles ziemlich dunkel, so gar nicht unser Geschmack. Und auch die vierzig Kellner, die für die vierzig Gäste zuständig waren, erschienen mir auf Anhieb deutlich zu viel.

Und schon ging es los mit der berühmten Olivenölsphäre, mit essbaren Schwämmen und Schäumen, mit dekonstruierten Früchten mit Pommes Frites aus Ananas und ähnlichen. Insgesamt zweiunddreißig „Gerichte“ wurden serviert.Und nichts davon war das, was es schien. Es war ein Verwirrspiel, eine Dokumentation dessen, was als Molekularküche weltweit Wirkung erzielen sollte. Und auch die Präsentation der Gerichte war außergewöhnlich damals. Nichts wurde auf Tellern serviert. Das wäre zu profan, sondern auf eigens je Gericht designten Platten, Steinen oder Metallkonstruktionen. Ferran Adria hatte dafür einen eigenen schweizerischen Designer engagiert, der für jedes Jahresmenu neue Servierhardware kreierte. Das Ganze erinnerte eher an eine Inszenierung, an ein perfekt eingespieltes Ballett zwischen Küche und Service.

In Erinnerung bleibt ein Spektakel, ein kreatives Feuerwerk bis dahin nicht gekannter Aggregatszustände essbarer Zutaten. Aus der eine texturgebende Industrie entstanden ist, aus der weltweit neue Kochimpulse entstanden. Und aus der El Bulli Küche sind zahlreiche Köche hervorgegangen, die wiederum selber maßgebende Kochleistungen zeigen. Ohne Zweifel hat Ferran Adria mit seinen Leuten die Kochwelt verändert.