Kulinarische Begegnungen 64 – Kiosko Universal

27. Januar 2019

Obwohl die Markthalle Boqueria in Barcelona immer mehr zur Touristenhölle mutiert, gibt es da doch die eine oder andere Entdeckung zu machen (siehe Nr. 60 dieser Berichte). Insbesondere der Bereich des Hinterausgangs erfreut bei jedem Besuch meine Augen und die Bude „Kiosko Universal“ im vorderen Bereich meinen meist hungrigen Magen. Das hat allerdings auch nostalgische Gründe, denn jedesmal, wenn ich mich dort für einen kleinen Imbiss hinsetze, erinnere ich jenen Besuch vor über zehn Jahren, als der Eifelscout, Werner Sch. von dem hier ja schon einige Male die Rede war, Barcelona besuchte.

Es ist etwa zehn Uhr morgens, der Stand wird gerade „gefüllt“, es werden Fische, Muscheln, Seeigel, Gambas usw. in die Vitrinen gelegt. Oben auf dem Tresen ein riesiger Berg gemischte Pilze. Und die sind Werner förmich ins Auge geschossen. Kurzentschlossen setzt er sich auf einen der jetzt noch freien Stühle, zeigt wortlos auf die Pilze und bestellt dazu ein Gläschen Cava. Einer der Köche schaufelt einen Berg Pilze auf eine der Planchas, einen Strahl Olivenöl darüber, etwas Knoblauch, ein bisschen Petersilie dazu und fertig ist die Portion Mischpilze für Werner. Der ist euphorisiert, will gar nicht mehr weg von hier. Die Pilze sind im Nu verputzt, sein Blick schweift über die randvollen Vitrinen. Gambas möchte er jetzt. Und sich am liebsten gar nicht mehr von hier wegbewegen. Ich möge ihn doch abends hier wieder abholen……. Dazu ist es selbstverständlich nicht gekommen, denn unsere Tapas-Runde hatte ja gerade erst begonnen und es stand noch einiges auf der Probier-Liste.

Aber Werner wollte noch nicht weg von hier, denn er hat gesehen, wie ein anderer Gast „solo mio“ bestellte und das möchte er jetzt auch noch. Und das perfekt gebratene und in kleine Würfel geschnittene Steak rundet sein zweites Frühstück dann aber endgültig ab.

Und dann einen kurzen Fußweg zur nächsten Station, die kleine Cava-Bude La Pineta.

Kulinarische Begegnungen 63 – Palamos-Gambas

16. Januar 2019

Es gibt in Barcelona eine ständige Diskussion ob nun Langusten, Hummer oder die Palamos-Gambas am besten schmecken. Ich gehöre ganz eindeutig zur Palamos-Fraktion, was wahrscheinlich auch daran liegt, wenn man diese dunkelroten Teile vor Ort in Palamos gegessen hat. Palamos ist ein kleiner Ort mit Fischereihafen an der Costa Brava etwas nördlich der unsäglichen Touristenhochburgen. Rund um den Hafen gibt es einige feine Restaurants, Spezialität dort auch gesalzene Anchovis. Doch die Gambas sind der Star. Sie unterscheiden sich nicht nur durch ihre dunkelrote Farbe, sondern vor allem durch einen einzigartig tollen Geschmack nach Meer und mehr. Und durch den Preis……

Die Roca-Brüder servieren sie roh, die Fischlokale servieren sie kurz gebraten auf der Planche, etwas Salz, fertig.

Und dann gilt es. Kopf ab und diesen aussaugen. Nicht ganz so mein Fall, die Chefin die Cuisine liebt das. Ich präferiere den „normalen“ Genuss. In Palamos haben wir sie auch als eine Art Fischsuppe bekommen oder auch als Tartar.

Kulinarische Begegnungen 62 – Beim Trüffelkönig in Istrien

9. Januar 2019

Über Südtirol und Triest waren wir nach Istrien gefahren, ne kleine Rundreise hatten wir vor, bestens vorbereitet was die kulinarische Versorgung betraf. Wir hatten ein Dutzend Restaurantempfehlungen in der Tasche, die fast alle hielten, was uns versprochen war. Von Novigrad aus ging es erst mal ins Landesinnere nach Livade. Dort, so hieß es, residiert der Trüffelkönig von Istrien Giancarlo Zigante, der dort auch ein eigenes Restaurant betreibt. Klar, dass wir dahin sind und das Trüffelmenu bestellten.

Nach dem obligatorischen grünem Salätchen der erste Gang. Handgemachte Pasta, feines grünes grasiges Olivenöl und darüber hobelt der Kellner reichlich feine Trüffelscheiben. Genüßlich stürze ich mich auf meine Portion, bin sofort begeistert und bemerke, dass die Chefin de Cuisine ihr Besteck hat fallen lassen.

Was ist los?

Geht nicht.

Warum?

Wurm.

Wo?

Hier.

Ich sehe nichts.

Zieh Deine Brille an.

Und als ich die aus meiner Tasche gekramt hatte sehe ich doch auch tatsächlich ein etwa ein Millimeter kleines bewegendes Etwas. Die Chefin de cuisine ist sauer. Nur wer sie kennt, bemerkt das. Sie winkt dem Kellner, reklamiert, der nimmt beide Portionen mit einer Entschuldigung weg. Jetzt bin ich sauer. Meine Portion schien einwandfrei. Egal, wir bestellen ein weiteres Fläschchen Wein, wie wir das ja häufig zu tun pflegen, sitzen in der Mittagssonne und lassen Gott einen guten Mann sein. Es dauert nicht lange, dann kommen neue Pasta, es wird eine neue Knolle auf die beiden Teller verteilt, diesmal geht alles gut. Auch der anschließende Wildschweinbraten mit einer kräftigen Trüffelsoße schmeckt vorzüglich, an die Desserts kann ich mich nicht mehr erinnern.

Seither schaue ich immer genau hin, wenn Trüffel auf den Teller kommen, nie wieder habe ich jedoch irgendetwas krabbelndes gesehen, trotz Lesebrille…….

Kulinarische Begegnungen 61 – Marokkanische Sardinen

8. Januar 2019

Marrakesh, Dezember 2014. Unterwegs in den Souks. Enge Gassen, Esel, Mopeds, Kamele. Es ist warm, es ist eng, es ist staubig. Aber toll. Das orientalische Gewusel, die Warenfülle, die Gewürze, es ist eine Farb- und Geruchsorgie. Ich lasse mich treiben, verlaufe mich natürlich, dringe immer tiefer in die Souks ein, immer weniger Menschen sind hier unterwegs und so langsam werde ich doch etwas nervös; weil sich die Atmosphäre geändert hat. Wahrscheinlich bilde ich mir das nur ein aber irgendwie liegt Stress in der Luft. Ruhig bleiben, sage ich mir, entspannt bleiben, Zigarettchen anzünden, weitergehen.

Ein älterer Mann kauert in einer Ecke auf einem kleinen Plastikschemel und  zeigt wortlos zu einem gegenüberliegenden offenen Fenster. Dort sehe ich eine offene Feuerstelle, eine große Pfanne mit brutzelndem Fett und kleinen Fischen, die  frittiert werden. Es riecht herrlich nach frischem Knoblauch und so mache ich Handzeichen, dass ich fünf dieser Sardinen haben möchte. Die kommen rasch, werden aufgeklappt auf Zeitungspapier aus dem Fenster gereicht und kosten umgerechnet zwanzig Cent das Stück.

Es sind die besten Sardinen ever, das Knoblauchöl bringt eine wunderbare Komponente zum Fischgeschmack. Klasse. Und ich versuche mir den weiteren Weg durch die Souks zu merken, was mir auch gelingt. Am nächsten Tag bin ich wieder da, wieder sitzt der alte Mann auf dem Plastikschemel, er erkennt mich, winkt mir zu, holt aus den Tiefen seines Umhangs ein Handy, zeigt mir Bilder und fragt mich, ob ich eine Frau kaufen möchte. No thanks Sir, only the fish. Und wieder bekomme ich köstliche Sardinen.

 

 

Kulinarische Begegnungen 60 – Xuxos

6. Januar 2019

Xavi ( siehe Nr. 3 dieser Aufzeichnungen) ist mein Barcelonesischer Frühstücksbarista, der morgens den ersten und zweiten Cafe solo für mich bereitet. Den dritten trinke ich häufig auf der Boqueria, der inzwischen zur Touristenhölle verkommenen Markthalle an der Rambla. Die Bar Pinotxo ist das Ziel, denn der wahrscheinlich am häufigsten fotografierte Mensch in Barcelona, Juanito Bayen, Senior und Barista dieses Marktstandes, bietet bis etwa halb neun morgens „Xuxos“ an. Die liegen halb versteckt unter dem Tresen, mehr als zwanzig gibt es nicht, das Zeug ist rasch ausverkauft. Während nun morgens an diesem Stand schon fette Eintöpfe, gebratene Blutwürste, Muscheln und Gambas verputzt werden, steht mir um diese Uhrzeit meist der Sinn nach eben diesen Xuxos. Das ist ein in Fett frittiertes Hefegebäck, prall gefüllt mit einer Vanillecreme und reichlich Zucker drumrum, ähnlich unserer Berliner.

Selbst um diese Uhrzeit ist es kaum möglich, einen Sitzplatz dort zu ergattern, man bestellt also aus der zweiten oder dritten Reihe seinen Cafe und sein Xuxo. Und Juanito ist trotz seiner weit über achtzig Jahren flink an der Maschine, der Cafe kommt zügig und das Xuxo, tja das wird in einer Papierserviette, die kunstvoll um das Teilchen gewickelt wurde, über den Tresen gereicht. Und nun gilt es. Größte Vorsicht ist geboten beim  ersten Bissen, denn ein Xuxo ist derart prall mit Vanillecreme gefüllt, dass es unmöglich ist ohne Kleckereien zu genießen. Selbst die Damenwelt, denen Juanito das Teil mit einer Schere in mundgerechte Stücke schneitet, schaffen es nicht unfallfrei. Die Mundwinkel sind voller Pudding, die Lippen voller klebrigen Zucker und das Gesamterlebnis eine einzige Köstlichkeit. Der Cafe dazu schmeckt natürlich sensationell, ein weiterer spült die letzten Zuckerreste runter. Juanito beobachtet das immer aufmerksam und vor allem, wenn Japanerinnen sich an Xuxos machen, erhalten sie seine vollste Aufmerksamkeit, gepaart mit reichlich Schadenfreude.

So gestärkt, mit einem belohnenden Zigarettchen, starten ziemlich viele meiner Tage in Barcelona. Und dann ist es auch höchste Zeit für ein erstes Gläschen Cava……….

Kulinarische Begegnungen 59 – Mojama

5. Januar 2019

In Barceloneta gibt es eine Tapas-Bar namens Vaso D’oro. Es ist eine schmale, schlauchförmige Bar, gerade so schmal, dass man, wenn man denn einen Platz erwischt, gerade so am Tresen sitzen oder stehen kann. Diese Bar ist immer voll, mindestens in Zweierreihen tummeln sich hier die Einheimischen weil die Auswahl und Qualität der Tapas bestens ist. Es ist ein einziges Gedrängel, es ist laut, man trinkt hier „Flautas“ – Biere aus schmalen Gläsern. Der etwa fünfzehn Meter lange Tresen voller Köstlichkeiten. Hinter den Glasscheiben alles, was das barcelonesische Herz begehrt. Und was dort nicht liegt, wird von den Köchen in der verdeckten hinteren Küche oder auf der Plancha am Tresen frisch zubereitet.

Ich erinnere mich gerne an meinen ersten Besuch dort beim ersten Barcelona-Besuch, erstmal erschlagen angesichts der Auswahl dessen, was angeboten wird und aufgrund der Lautstärke, mit der hier alles stattfindet. Neben mir sitzt ein einheimischer Stammgast, der auf catalan mit den Kellnern, die alle in weißer Kapitänsuniform hier rumlaufen, scherzt und ständig Tapas bestellt. Während ich mir damals ein „solo mio con foie“ gönne, ein in kleine Würfel geschnittenes Steak mit einer Scheibe Foie, bestellt er einen Teller Mojama. Das war mir noch nicht bekannt. Es kommt eine Untertasse mit gesalzenen Mandeln, daneben liegen einige Scheiben dunkelrotes Etwas. Sieht aus wie Fleisch, ist hart wie Leder. Der Typ bemerkt meine Ahnungslosigkeit, erklärt mir, was es ist und läßt mich von seinem Teller probieren. Es handelt sich um gesalzenen und getrockneten Thunfisch. Schmeckt nach dem, was es ist, ziemlich salzig, ziemlich zäh, erfordert ziemlich langes Kauen aber perfekt zum Bier. Und gehört seither zu meinen Standard-Tapas in Spanien. Hier leider nicht aufzutreiben.

Kulinarische Begegnungen 58 – Garum

4. Januar 2019

Mehr als sechzig Barcelonabesuche bislang und ich entdecke immer noch kulinarisch Neues. Erst kürzlich im Restaurant „Dos Pebrots“, wo mehrere Gänge mit Garum angereichert waren. Das hatte ich bis dato weder gehört noch geschmeckt, aber es hat mich sehr begeistert und zu eigenen Versuchen animiert.

Die einen nennen es das „Maggi der Römer“, andere bezeichnen es als „Ketchup der Antike“. Fest steht, dass Garum eine jahrtausend alte Methode zur Würzung ist, basierend auf fermentierten Fischen, die wochenlang der Sonne ausgesetzt, mit anderen Zutaten angereichert und danach filtriert werden. Vinzent Klink hat im Internet eine Rezeptur für den Hausgebrauch vorgeschlagen.

Meine Versuche basieren auf seinem Vorschlag, jedoch etwas verändert. Zwei gewaschene gesalzene Ancovis in warmen (nicht heißem) Olivenöl so lange erwärmen, bis sie komplett geschmolzen sind, dazu zwei mittelgroße Knoblauchzehen kleingehackt und eine halbe kleingeschnittene Chillischote. Etwa fünf Minuten auf kleiner Flamme ziehen lassen (der Knoblauch darf keine Farbe annehmen) und dann zwei oder drei Stengel Koriander kleinstgehackt dazugeben (glatte Petersilie geht auch). Dazu einige Kapern. Vom Herd ziehen und abkühlen lassen. Wer mag, siebt das ganze vor dem Gebrauch, ich lasse es mit den festen Bestandteilen. Herausragend über Pasta.

Kulinarische Begegnungen 57 – Sardische Fliegen

4. Januar 2019

Eine Fahrt entlang der sardischen Westküste ist eine einzige Fotosession. Jede Kurve zeigt neue atemberaubende Ausblicke, heftige Steilküsten, unbändige Natur. Tankstellen selten, Hotels auch selten, die sind alle auf der Ostseite der Insel, Restaurants am Wegesrand hin und wieder.

Unsere erste mehrtägige Fahrt vom Norden in den Süden entlang dieser Küste war ein einziger Traum. Bis auf jenen Abend, den wir als „sardischen Horror“ nicht vergessen werden. Dabei begann alles so, wie im Bilderbuch. Ein rostiges Schild am Strassenrand weist den Weg zu einem Hotel. Wir folgen der kilometerlangen Schotterpiste bis an den Rand der Steilklippe, wo sich das Hotel befindet. Wir bekommen einen eigenen kleinen Bungalow mit Meeresblick, direkt an der steilen Düne. Wunderbare Aussicht, romantischer Sonnenuntergang und ein Abendessen auf der Hotelterrasse. Gegrillte Goldbrasse und danach Huhn in Bier geschmort. So unsere Bestellung. Doch kaum wird der Bilderbuch-Fisch serviert, verdunkelt sich der Himmel und Millionen Fliegen fallen über uns her. Millionen. Hätte aus nem Film sein können. An essen ist nicht mehr zu denken, wir schnappen die Weinflasche und die Gläser und flüchten in unseren Bungalow. Kaum ist die Türe geöffnet sind auch hier tausende Fliegen nicht mehr zu bändigen. Keine Chance, weder mit Chemie, noch sonst wie. Es ist die Hölle. Keine Ahnung wo die alle auf einmal herkommen. Muss ein Nest sein. Doch nach Spässchen ist uns jetzt nicht mehr zumute. Das ist nicht auszuhalten, denn auch draussen toben die Fliegen wie angestochen. Wir harren aus, bis zum nächsten Morgen, kein Auge zugemacht, ziemlich sauer, Stimmung ganz unten.

Am nächsten Morgen klärt uns der Wirt auf. Es sei Landwind, dann kommen die Fliegen von den umliegenden Rinderweiden ans Meer, er können nichts dagegen machen und auch er müsse warten, bis sich der Wind wieder dreht. Doch solange wollen wir nicht warten, reisen ab und machen nach einigen Kilometern Fahrt ein Nickerchen im Wald.

Schade um das Menu, es sah toll aus und Hühnchen in sardischem Bier hätte ja auch was haben können.

Kulinarische Begegnungen 56 – Die sardischen Schäfer

3. Januar 2019

Nochmal Sardinien. Irgendwo in den Bergen im nirgendwo. Bestes Wetter, strahlend blauer Himmel, ein lustiges Liedchen auf den Lippen, die Autoscheiben runtergedreht. Es ist früher Nachmittag und wir sind wie immer keck unterwegs, bestens gelaunt mit hinreichendem Zigarettenvorrat. Als in einer Haarnadelkurve plötzlich zwei finstere Gestalten ziemlich heftige und deutliche Signale geben, rechts ranzufahren. Oha, was nun? Hier passiert jetzt was, mein in vielen Jahren trainierter siebter Sinn für solche Momente ist in Habacht-Stellung. Betont lässig lehne ich mich aus dem Fenster, mein Gesicht ein einziges Fragezeichen. Jetzt ruhig bleiben.

Die zwei Männer kommen näher, dreckig, schwarze Hände, aber sehr freundlich. Ob wir nicht Lust hätten auszusteigen und mitzufeiern. Wie jetzt? Was wird denn wo gefeiert? Und die klären uns auf, weisen nach links in ein kleines Waldstück, in dem, wie wir erst jetzt bemerken, zahlreiche kleine Feuerchen brennen und etwa hundert Menschen in kleinen Gruppen fröhlich rumtanzen. Und nach dem Motto „wo gesungen wird, da lass dich ruhig nieder“, steigen wir aus dem Wagen und folgen den Männern in den Wald. Dort werden wir freundlich von einigen Frauen in Empfang genommen, die uns erklären, dass hier und heute das jährliche Fest der Schäfer stattfindet und wir wirklich gerne eingeladen sind, mitzuessen und mitzutrinken. Man drückt uns ein Glas Wein in die Hände, reicht uns verschiedene Käseplatten und bittet uns mitzumachen. An den Feuerchen, an den vielen kleinen Grillstationen. Und dort wird wohl alles gegrillt, was die Schäfer hier produzieren, da gibt es grobe Würste und kleine Hühnchen, da gibt es Lamm und Widschwein, es gibt roten und weißen Wein, Wasser nicht. Es wird gesungen und getanzt und nach einigen Gläschen bin ich dann auch bereit in das sardische Liedgut einzusteigen. Und das Schubidu beginnt, nein es werden sardische Volkslieder gesungen, mehrstimmig, es gibt Gitarren, es ist eine wunderbare Stimmung. Bisschen Gänsehaut vor Ergriffenheit.

Und als wir uns dann mit Einbruch der Dunkelheit veranschieden wollen und ich einen Obolus leisten möchte, wird dieser sehr entschieden abgewiesen. Nix da, es war uns eine Freude. Uns auch. Die Sarden………

Kulinarische Begegnungen 55 – Agriturismo Sardinien

2. Januar 2019

Eine Rundreise durch Sardinien ist impuls- und ereignisreich, sie ist voller Eindrücke und wunderbarer Momente. Stimmt schon: die Sarden sind keine Italiener……Wir hatten den Wagen in einem Schatten spendenden Pinienwald geparkt um einen Strandtag an der Ostküste der Insel einzulegen. Türkises Wasser, schneeweisser Sand, kühle Getränke…alles so, wie man sich das vorstellt. Als wir nachmittags zum Auto zurückkehren, flattert an der Windschutzscheibe ein Zettel, kein Knöllchen sondern die Einladung eines Agriturismos in der Nähe zum Abendessen dort. Annonciert wurde ein italienisches Menu für einen mehr als überschaubaren Preis. Die Chefin de Cuisine ist sofort Feuer und Flamme, also abgemacht.

Wir fahren also gegen abends zu diesem Agriturismo, glücklicherweise war auf der Rückseite des Zettel eine Anfahrtskizze gezeichnet, und erreichen  einen riesigen Bauernhof. Die große weiss gestrichene Scheunentor steht weit offen, drinnen zu sehen eine lange Tafel für zwanzig bis dreißig Personen. Eine mehr als siebzigjährige schwarz gewandete zahnlose Dame dirigiert uns zum Parkplatz und bittet uns in die Scheune, wo schon einige Menschen an der langen Tafel Platz genommen hatten.

So nach und nach kommen weitere Gäste, es wird laut, Wasser und Wein wird gebracht, die Stimmung steigt. Erste Wurst-Schinken-und Käseplatten werden serviert, dazu warmes frisch gebackenes Brot, mehr Wein. Anschließend Pasta. Einfach, gut, gemüsrig, voller Geschmack. Riesige Salatschüsseln werden aufgefahren, buntes frisches Zeug, jeder kippt nach Gusto Essig und Öl dazu, nochwas Schinken. Es ist eine wunderbare Stimmung, die eigentlich nichts weiteres mehr gebraucht hätte. Doch dann geht das Menu erst so richtig los. Gegrillte Fische, Stückchen Zitrone, Öl. Super, weil knackfrisch. Danach Chiquale vom Grill, traumhaft. Langsam spannt der Ranzen, noch ein Gläschen kühler Weisswein bevor Dolce kommt. Ausgerechnet die Torta della Nonna, einer meiner All-time-favorits. Jetzt reichts aber….nicht in Sardinien. Grappa ist obligatorisch, frisches Obst auch noch und dann Espresso, wie ihn sowieso nur die Südländer hinkriegen. Das Ganze hat etwa zwanzig Euro pro Person gekostet, jeden Cent wert und für immer ein unverlierbarer sardischer Moment.

Kulinarische Begegnungen 54 – Conca Verde Sardinien

2. Januar 2019

Wahre Gastfreundschaft erweist sich ja oft an Kleinigkeiten, an selbstverständlich erscheinenden Gesten, an freundlichen Begegnungen. Es war der erste von vielen Sardinienbesuchen, wir hatten gerade am Flughafen Olbia einen Wagen gemietet und etwa hundert Kilometer in nördliche Richtung gefahren als wir ein kleines Hinweisschild „Conca Verde“ am Wegesrand lesen. Die leichte Serpentine führt uns in eine kleine Bucht, ein Runddorf, nur wenige Häuser. Eines ist neu, designt, eine auffällige Einfahrt, ein Hotel. Wir halten und die Chefin de Cuisine, beruflich ohnehin designaffin, macht den nicht von der Hand zu weisenden Vorschlag, hier einfach mal für ein paar Tage einzuchecken für einen netten Urlaubsstart. Wir erfahren, dass das Hotel erst vor einigen Tagen eröffnet wurde und alles noch im Testmodus sei. Wir nehmen ein Zimmer zur Meerseite, Blick in die kleine Privatbucht, perfekt – und als Gipfel meiner Freude, eine mitten im Zimmer gebaute spiralförmige Dusche……

Nach ein paar Stunden am Strand dürstet uns. Die ausgedörrten Kehlen lechzen nach Flüssigkeit und wir schlendern an die Bar um das eine oder andere Gläschen frischen kühlen Weisswein zu schlürfen. Nachdem der Barmann eine Flasche Vermentino di Gallura geöffnet hat, kommt er nach ein paar Minuten mit einem Teller Parmesanstückchen zu uns, dekoriert mit einem Olivenzweig und einigen Tropfen Olivenöl. Er muss das Fragezeichen über meinem Kopf gesehen haben…..“No vino senza formaggio“. Sehr nonchalant, sehr souverän, sehr selbstverständlich.

Klar, dass die Tage dort ein wunderbarer Start für den ersten „Giro di Sardegna“ gewesen sind. Eine Rundreise, die wir ähnlich einige Male wiederholt haben und die jedesmal ähnliche Momente brachten.

 

Kulinarische Begegnungen 53 – Der Schwarzmarkt

25. Dezember 2018

Kürzlich wurde in Köln ein besonderes Jubiläum gefeiert. Der zehnte Schwarzmarkt im Marieneck, jenem inzwischen auch über die Stadtgrenzen hinaus legendären Laden für spezielle kulinarische Veranstaltungen. Der Schwarzmarkt ist eine Art Tauschbörse ohne kommerzielle Interessen ausschließlich für kulinarische Produkte. Zugang hat nur, wer selber was mitbringt, gekauft wird nichts, getauscht alles. Sonntags mittags finden diese Märkte statt, Beginn etwa vierzehn Uhr. Dann strömen die Teilnehmer bepackt mit schweren Kisten und Taschen in das Marieneck zum Aufbau und Präsentation ihrer mitgebrachten Produkte. Marco, der Hausherr entkorkt derweil die ersten Fläschchen vergorenen Traubensaft, die ersten Fachsimpeleien beginnen, es wird geschaut, was alles im Angebot ist. Waren es anfangs vorwiegend Marmeladen und Chutneys, Ketchups und andere selbstgemachte Sösschen, so hat sich das im Laufe der Jahre ein wenig verändert, weil die Produkte ausgefallener, die Zubereitungen professioneller oder die Versuche experimenteller geworden sind.

Da gab es die süße Fraktion mit Pralinen oder Honig oder Baumkuchen, da gab es die Experimentalfraktion mit Cola-Extrakten, die verdammt nah am Originalgeschmack waren, die Yuzu und Kalamansiverarbeiter, es gab Olivenpulver und fermentierte Eigelbe oder selbstgeräucherte Schweinefilets. Und es gab die große Fraktion der Alkoholcracks, die mit Lakritzschnäpsen, selbstgemachten Vermuts, Holunderlikören oder Lorbeerschnäpsen anreisten. Es gab Gänseblümchenschnäpse, Gins, es gab Weine und es gab Biere. Und selbstverständlich auch weiterhin diverse Marmeladen und Fruchtaufstriche, eingemachtes Obst und fermentiertes Gemüse. Alles wird probiert, alles wird begutachtet und alles wird getauscht.

Der Schwarzmarkt findet im Frühjahr und im Herbst statt. Und ist eine Pflichtveranstaltung.

Kulinarische Begegnungen 52 – Der Utecht.

17. Dezember 2018

Vor den Toren Düsseldorfs, am beginnenden Niederrhein gibt es eine intakte Wasserburg. Mit einem Gesindehaus. In dem lebt der Utecht. Mit seiner Frau. Die heisst Ute. Und mit ’ner Katze, die heisst Hans-Dieter oder so ähnlich. Rundum pure Natur, Idyll. Und Utecht hat noch nen Plattenspieler. Im Gebrauch. Und Ute ist DJane, unter anderem. Utecht war mal Journalist, ganz früher. Und hat für diverse Musik-und Popzeitschriften geschrieben. Und die beiden machen auch selber Musik, zum Spaß, in ’ner Band, spielen regelmäßig, treten aber nicht auf. Utecht hat ein Blog, seit Jahren. Und eine Tumblr-Seite, die heißt „songoftheday“ ausschließlich für allerschrägste Musik. Woher er diese Stücke auftreibt ist ständiges Rätsel.

Utecht ist der „Gemüsepapst“ aus Nordrhein-Westfalen, er kennt nicht nur alle Sorten und deren Geschichte, er kennt auch einen Biobauern, der solches anbaut. Darüber schreibt Utecht. Aber nicht nur. Der Utecht ist Aktivist. In vielerlei Hinsicht, nicht nur ökologisch. Er kümmert sich. Auch um geflüchtete Menschen.

Jeden Sonntag gibts im Gesindehaus selbstgebackenen Kuchen. Den macht Utecht. Oder er kocht. Oder, wenn er weder für das eine noch für das andere Lust hat, dann schaut er in die ihn umgebende Natur und heckt was aus. Das ist selten schlechtes. So hat er beispielsweise auch den Kölner Schwarzmarkt erfunden, jenen inzwischen zum zehnten Male stattgefundenen nicht kommerziellen Tauschmarkt fürs selbstgemachte Lebensmittel. Diese Veranstaltungen gibt es inzwischen auch in Bonn, Düsseldorf und Grevenbroich. Und war es nicht auch der Utecht, der die ersten Supperklubs im Marieneck auf die Schienen gestellt hatte? Die Summer of supper?

Jedenfalls ist der Jörg Utecht ein Aufrechter. Unbestechlich und seit einiger Zeit ganz besonders auf der Suche nach dem Bio-Ei in Restaurants. Denn er kennt sich aus in den Restaurants der rheinischen Domstadt. Weil er dort arbeitet.

Kulinarische Begegnungen 51 – Montbar / Mediamanga

17. Dezember 2018

Ebenfalls im Barcelonesischen Stadtteil Eixample das Restaurant „Montbar“. Von mir oft besucht und hier im Blog auch mehrfach schon beschrieben. Maitre de Plaisir der Montbar ist Jordi, ein stets freundlicher und zuvorkommender Restaurantleiter alter Schule. Und seinen Empfehlungen bin ich bislang immer gefolgt. Intensiv in  Erinnerung geblieben ist die hier schon mehrfach sehr genossene Ajo Blanco mit dekonstruierter Tomate. Die Suppe in einer Konsistenz wie Dosenmilch, herausragender Geschmack, ebenso wie die ebenfalls extrem feine Ceviche von der Palamos Gamba. Beide Gerichte finden sich regelmäßig auf der sich ändernden Tapas-Karte. Und noch ein bisschen besser das Schwesterrestaurant um die Ecke „Mediamanga“. Hier wird noch mehr Experimantalküche zelebriert, hier werden beispielsweise eine Art Tacos mit geeister Foie serviert. Es ist jedesmal ein kleines Fest.

Fotos aus 2014

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Kulinarische Begegnungen 50 – La Flauta

10. Dezember 2018

Kommen wir mal wieder zurück nach Barcelona. Zu einem weiteren Restaurant, mit der namensgebenden Spezialität, der Flauta. Das sind etwa drei Zentimeter dünne Baguettes, etwa dreißig Zentimeter lang, längs aufgeschnitten, mit Tomaten eingerieben und mit verschiedenen Belägen dort zu bestellen. Das wäre nun nicht weiter erwähnenswert, hätten diese Brote nicht eine überragende Qualität und die Beläge nicht üppigsten Geschmack.

Der Laden befindet sich im Stadtteil Eixample wo im Gegensatz zum Stadtteil Raval eher die gutbürgerlichen Menschen wohnen, die Wohnungen größer, die Autos PS-stärker und die Restaurants feiner sind. Das macht sich sehr deutlich morgens bemerkbar, wenn der Barcelonese kurz einen Cafe trinkt und was Süßes frühstückt. Ins La Flauta kommen die Anzugsträger und Kostümfrauen, die begehrten Plätze sind auch hier die am Tresen, denn hier hat man die Aussicht auf das komplette Flauta-Angebot. Da gibt es dünne Brote  mit Schinken oder Salami, mit Rührei oder mit Fisch, da gibt es Brote mit Marmelade oder welche mit Grünzeug. Croissants mit oder ohne Puddingfüllung….. Kurzum die Auswahl ist prima. Und wem das nicht reicht, der läßt sich seine eigene Kreation zusammenbasteln. Noch mehr allerdings gefällt mir in diesem Laden das Personal.

Dass das Personal fix ist ist angesichts des ständigen Kundenzustroms selbstverständlich, dass es freundlich ist auch, dass der Barrista italienische Qualität hat ist auch in Barcelona nicht selbstverständlich, der Typ an der Maschine ist mein Kaffeeheld in dieser Stadt. Schon bein zweiten Besuch wird man erkannt, beim dritten per Handschlag begrüßt, beim vierten kommt die Bestellung ohne Worte. Und zwar bei jedem. Das Personal hat ganz offensichtlich entweder ein herausragendes Gedächtnis oder es gibt dort irgendein Erkennungs-Code, ich weiß nicht, wie die das machen.

Am späten Vormittag ändert sich das Angebot und abends dann nochmal. Dann stehen die Menschen draussen Schlange, wartend auf einen Sitzplatz im Restaurant, denn die hier angebotenen Tapas sind von ebensolcher Qualität wie die Flautas. Und wer das Glück hat, einen der wenigen Aussentische zu ergattern, der erlebt vor diesem Restaurant das ganz große Barcelona-Kino der Katalanen. Schon morgens.

Kulinarische Begegnungen 49 – Gina

9. Dezember 2018

Obwohl Gina meine älteste und liebste Freundin ist, begleitet sie mich nur sehr selten auf Reisen. Das hat weniger mit mir zu tun als mit ihrer grundsätzlichen Abneigung gewohnte Umgebung zu verlassen. Egal welches Reiseziel ich ihr anbiete und sie auch dazu einladen würde, ist es schwierig, sie zum Kofferpacken zu bewegen. Früher waren wir häufiger in Italien unterwegs, in Holland haben wir Coffeeshops besucht, in Barcelona konnte ich ihr auch das eine oder andere zeigen, in Paris hat sie mir als Dolmetscherin geholfen. Doch abgesehen von ihrer Reiseunlust kommt eine weitere Schwierigkeit hinzu: Je älter sie wird, desto weniger isst sie. Waren es früher anständige Portionen, die sie anstandslos verdrückte und für die sie bis heute in Italien bekannt ist, so sind es heute Blättchen und kleine Fleischwürfelchen, die sie sättigen. Wein nur in Ausnahmen und maximal zwei Gläser. Also unter kulinarischen Aspekten die schwierigste Frau, die ich kenne.

Dafür spricht sie vier Sprachen mehr oder weniger fließend, ist aber an der Lektüre von Speisekarten so wenig interessiert wie ich an den Ergebnissen von Boxkämpfen. Auch wenn ich hin und wieder mit ihr oder für sie koche, es ist schon beim Einkauf schwierig mit ihr. Nur makelloses Gemüse, Obst nur ohne Dellen, bio sowieso. Und wenn sie mich mal in Düsseldorf besucht um bei irgendwelchen Technik- oder PC-Problemen zu helfen oder um Rechner zur High-end-Performance zu bringen, dann kann ich ihr mit einem Salätchen die allergrößte Freude machen. Wochenmärkte findet sie ganz nett, ein wenig pittoresk und meine Begeisterung für Fisch kann sie ja  nun gar nicht verstehen. Über Austern und ähnliches reden wir gar nicht.

Nur für Parmesan kann sie sich begeistern seit wir in Mailand vor Jahren eine entsprechende Degustation bei Peck erlebten und auch dem spanischen Manchego-Käse ist sie nicht ganz abgeneigt.

Irgendetwas ist schief gelaufen mit dieser Frau, irgendwas habe ich verdammt falsch gemacht mit ihr. Denn Gina ist meine Tochter, auf die ich dennoch ziemlich stolz bin.

 

Kulinarische Begegnungen 48 – Kindheit II.

8. Dezember 2018

Reisesouvenirs gab es in der Familie immer. Egal wer von einer Reise zurückkam, Souvenirs waren im Gepäck. Und zwar immer Lebensmittel, immer irgendeine kulinarische Überraschung. Und diese Tradition hat ihren Ursprung Mitte der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts: Mein Vater kehrte von einer Geschäftsreise nach Mailand zurück und erzählte begeistert von einem Ausflug nach Cique Terre. Er schwärmte von den dortigen Steilhängen, von den Schwierigkeiten dort Wein anzubauen und von kulinarischen Dingen, die er dort erlebt hatte.

Dann packte er stolz wie Oskar ein kleines Päckchen aus, fein säuberlich in Pergamentpapier eingewickelt holte er eine weiß grünliche Masse hervor. Oh nein, riefen wir Kinder, das ist ja auf der Reise verschimmelt…..Nix da, das muss so sein, das ist allerfeinster italienischer Käse. Gorgonzola. Und er schnitt vorsichtig ein paar Stückchen dieses Käses ab und alle probierten. Die Mutter und die Schwester verzogen die Gesichter, während mein Bruder, mein Vater und ich in helle Begeisterungsrufe ausbrachen. Diese würzige Schärfe, die Konsistenz, überhaupt, da kannste doch jeden Gouda stehen lassen. Ich war euphorisiert, begeistert, gierig nach mehr.

Es ging aber noch weiter. Er entkorkte die einzige mitgebrachte Flasche weissen Wein aus Cinque Terre. Zu jener Zeit wurden zuhause fast ausschließlich restsüße Weine aus Rheinhessen getrunken, ab und zu auch mal welche von der Mosel, aber alle hatten, so meine Erinnerung, stets die restsüße Klebrigkeit, die mir bis heute nicht so richtig schmecken will. Nun aber italienischer Wein, blass, nahezu geruchlos. Und wir Kinder durften mitprobieren. Welche Enttäuschung, das Zeug war sauer, hatte mit Wein, den wir kannten, überhaupt nichts gemeinsam. Während mein Vater schwelgte, schwieg der Rest der Familie. „Das ist doch ein Fratzenschneider“ wurde später zum geflügelten Begriff für Weine, die nicht schmeckten…….

Ein paar Wochen später eine ähnliche Situation. Der Vater kommt nach Hause und versteckt ein großes Paket im Kühlschrank und verbietet der Familie unter Androhung schärfster Maßnahmen das zu öffnen. „Das gibts heute abend. Von mir zubereitet.“ Und solche Ansage hieß es zu befolgen.

Auf den Tisch kamen dann zwei große Platten geräucherter Fisch. Da gab es Sprotten und Schillerlocken, da gab es Bückling und anderes geräucherte Meeresgetier. Und wieder hatten die Männer der Familie die größeren Begeisterungsausbrüche. Welch ein Genuss, welcher feine Nachgeschmack.

Und diese Begeisterung ist bis heute geblieben, egal ob Fisch oder Fleisch, ob kalt- oder heiß geräuchert.

Kulinarische Begegnungen 47 – Kindheit I.

7. Dezember 2018

Die früheste Kindheit. Ich war dreieinhalb Jahre alt, die Mutter zur Entbindung des Bruders im Krankenhaus, der Vater mit den beiden Kindern alleine zuhause. Er kochte täglich. Bestens in Erinnerung geblieben sind die ersten Nudeln meines Lebens, das waren Maccaroni mit Tomatensoße, geriebenem Holländer Käse, dazu ein Spiegelei mit brauner Kruste. Als ob es gestern gewesen ist kann ich mich an jene Situation erinnern, als es darum ging, diese Nudeln einigermaßen unfallfrei in den Mund zu befördern, es war ein einziges Schlürfen und Lachen. Später dann das gleiche mit Spaghetti und Parmesan, heute immer noch das gleiche mit pochiertem Ei.

Unerreicht und zuhause unbestritten waren auch die Bratkartoffeln meines Vaters. Die wurden stets aus gekochten Kartoffeln vom Vortag goldgelb gebraten, mit Majoran und reichlich Thymjan gewürzt, ein wenig gesalzen und meiste auch mit Spiegeleiern zuhause von ihm serviert. Ihm war das „plating“ schon damals wichtig, die Kartoffeln kamen meist in Scheiben, ordentlich aufgefächert auf die Teller. Und obwohl meine Mutter ebenfalls ganz ausgezeichnet kochte, die Bratkartoffeln des Vaters waren unerreicht und nicht ohne Stolz ließ er sich jedesmal lange bitten, bis er mal wieder die Kochschürze umband.

Und ganz doll ging es dann in meiner Kindheit in der heimischen Küche zu, wenn Eintöpfe angesetzt wurden. Die finale Würze, das letzte Abschmecken, quasi die Freigabe am Pass …..das war ihm vorbehalten. Und natürlich wurde es im Laufe der Jahre zu running Gag hier noch eine Prise Pfeffer oder da noch ein Mü Salz zuzugeben. Und je älter wir wurden, desto konsequenter wurde dieses Finalisieren von der ganzen Familie dann täglich eingefordert. Irgendwann wurde das zum Zeremoniell bis mein kleiner Bruder sich in diese Angelegenheiten einmischte und den Vater derart gut imitierte, dass der sich Schenke lklopfend an die Tisch setzte und abwartete…..Das waren fast Theaterstücke zuhause damals in der Küche. Später auch noch……

Kulinarische Begegnungen 46 – Günnis Langustenbude

2. November 2018

Firmenausflug nach Mallorca, etwa einhundertfünfzig Menschen aus dem Bundesgebiet treffen sich für ein paar Tage zwecks Kommunikationsintensivierung. Dabei auch der harte Kölner Kern……Günni, der schon x-mal in Palma war und dort jeden Stein zu kennen scheint, schlägt abends beim Wein vor, am nächsten Tag eine „Langustenbude“ zu besuchen, die er ganz nachdrücklich empfiehlt. Also bestellen wir für die Kölner Gang an der Hotelrezeption für den nächsten Vormittags ein paar Mietwagen. Günni im Jeep vorweg, die anderen im Konvoi hinterher. Die Fahrt dauert etwa eine halbe Stunde und irgendwann biegt Günni von der Hauptstraße an der mallorcinischen Westküste an auf einen staubigen Feldweg. Nichts deutet darauf in wohin es geht, kein Ortsschild, kein Restaurantschild. Kurze Handy-Kommunikation mit dem Jeep, alles bestens, wir sind goldrichtig. Es geht steil bergab, die Strasse wird immer enger und dann sehen wir die Bremslichter des Jeeps. Wir sind da. Und tatsächlich entdecken wir hinter einer Hecke einen flachen Steinbau, tatsächlich eine Art Restaurant. Zwar nicht am Meer, aber mit Meeresgeruch.

Als die zehn hungrigen Leute den Laden betreten reibt sich der Wirt hinterm Tresen bereits die dicken Hände. Das riecht ja förmlich nach dicker Zeche. Tische werden zusammengeschoben und neu eingedeckt……Und weil wir ja wegen der Langusten hier sind, brauchen wir keine Speisekarte, Günni  bestellt sofort das Meeresgetier, geht zum Bassin in der Mitte des Restaurants und sucht drei Tiere aus, die in die Küche getragen werden. Wein für alle, wie immer reichlich, und zwar vom Guten. Und zum Start wären auch zehn Brandys so verkehrt nicht, also auch wie immer.

Der rustikale Laden hat Platz für vielleicht vierzig Personen und ist gut besucht, nahezu alle Tische sind besetzt, die rot-weiß karierten Tischdecken und das gesamte Mobiliar so recht touristisch. Egal, wir sind ja wegen der Langusten hier. Der Wirt, jovial wie aus dem Bilderbuch, das Servicepersonal kurz vor den Pensionsgrenze und die übrigen Gäste wahrscheinlich Düsseldorfer Porschefahrer mit hochgestelltem Polokragen. Unser Tisch ist aber auch nicht dezent, zehn Kölner können sich nicht ruhig unterhalten, vor allem dann nicht, wenn sie hungrig sind. Das Brot ist rasch verputzt, die ersten Weinflaschen sofort verdunstet und dann kommt der erste Gang, eine Art Fischsuppe aus Langustenteilen. Gar nicht schlecht, dampfend, aromareich, lecker. Doch, das war nicht übel und steigert die Vorfreude auf Kommendes. Zweizackige lange Gabeln werden eingedeckt, Schüsselchen mit Zitronenwasser für die Fingerreinigung gebracht und dann kommen große Platten mit gegrillten Langustenteilen. Die sind schon zerhackt, quasi mundgerecht serviert. Und schmecken göttlich. Stille am Tisch, andächtiges Genießen, vernehmbares Schlürfen. Das eine oder andere Bäuerchen. Saulecker. Günni stolz wie Oskar, „meine Rede“…..man kennt das.

Es kam dann später noch eine Crema Catalana, es kamen noch einige Brandys und dann kam die Rechnung. An die hatte ja nun gar keiner gedacht, nur Barzahlung war erwünscht. Und wir hatten Mühe, die Gesamtsumme in bar zusammenzubringen, es war eine gesalzene Rechnung.

War aber alles nur Vorspiel, denn das, was am nächsten Abend in Palma passierte, ist bis heute unerreicht.

Kulinarische Begegnungen 45 – Carles Abellan

31. Oktober 2018

Carles Abellan gehört zur ersten Generation der El Bulli-Köche, die sich in Barcelona mit einem eigenen Restaurant selbstständig gemacht hatten. Das Comerc24  ist eines der ersten Sternerestaurants in Barcelona gewesen, die wir damals besucht und seither mindestens viermal jährlich besucht hatten. Bis es endgültig geschlossen wurde. Damals nannte man das Avandgarde-Küche

Für mich war es eines der schönsten Restaurants, eher dunkel eingerichtet, an den Decke Blechteile von Schlagzeugen als indirekte Beleuchtung. Das Personal in einheitlicher maßgeschneiderter Uniform, ausgesucht höflich. Damals stand Carles Abellan noch selber in der Küche und ein Gang ist mir so sehr in Erinnerung geblieben, dass ich ihn einmal monatlich zuhause nachbaue. In Soja-Ingwer marinierter Sushi-Thunfisch mit geröstetem Sesam und Schnittlauch. Fast ein signatur dish von mir inzwischen :-). Und auch der damalige Sommelier Antonio Lopo ist bestens in Erinnerung, heute als „ThunderWinemaker“ unterwegs. Er hatte stets ganz aussergewöhnliche Tropfen in der Rückhand, bis heute.

C. Abellan ist heute als Koch nur noch im spanischen TV zu sehen, er hat sich auf die Unternehmerseite geschlagen mit mehreren Taps-Bars und Restaurants, u.a. das La Barra am Hafen. Und fährt immer noch seine fette Harley.

Was bleibt sind viele Degustations-Menus im Comec24 mit feinsten Kreationen und die Erinnerung an das beste Service-Personal ever in Barcelona.

Es gibt hier im Weblog noch Fotos zweier Menus: Hier und hier.

Kulinarische Begegnungen 44 – Hohenzollern-Gelage

30. Oktober 2018

Seit mehr als zwanzig Jahren findet mindestens einmal jährlich mit der alten Gang an der Ahr ein sogenanntes „Wildessen“ statt, hier im Weblog seit Jahren auch dokumentiert. Zehn trainierte Esser und Trinker treffen sich in verschiedenen Restaurants an der Ahr um die dortigen Weine zu schlürfen, vor allem aber erlegtes Wildbret aus der Region zu verspeisen. Werner Sch. der Eifelscout der Gruppe und Winzer kümmert sich jedes Jahr nicht nur um die Unterkünfte sondern spricht auch immer mit den jeweiligen Köchen die Menufolge im Detail durch.

Das Wildessen, über das hier berichtet wird, war in vielerlei Hinsicht besonders. Das begann schon damit, dass Werner Sch. nichts, aber auch gar nichts vorher verraten hatte, was auf die Teller kommt. Normalerweise kann er selber vor lauter Vorfreude den einen oder anderen Gang nicht für sich behalten – diesmal schwieg er eisern. Das hätte uns schon stutzig machen müssen. Ebenfalls stutzig werden müssen hätten wir auch, als er zum Start im Foyer des Restaurants Hohenzollern keinen Riesling-Sekt orderte sondern Champagner. Da haben wir ja auch nichts gegen einzuwenden. Das ist die Ansage dafür, dass es diesmal so richtig krachen sollte.

Und als wir nach dem zweiter Fläschchen Champagner dann den für uns eingedeckten separaten Gastraum betraten und die dort ausgelegten Speisekarten studierten, war klar warum Werner nix verraten hatte. Denn seine Menuauswahl sollte nie wieder in Qualität und Quantität erreicht werden. Er hatte so ziemlich alles bestellt, das es an Wildbret gibt. Von Fasan über Hase, von Rehrücken und Hirschmedaillons, von Wachtelbrüstchen bis hin zu diversen Wildschinken. Die Speisekarte hatte es wirklich in sich und die anwesenden Frauen stöhnten schon beim lesen.

Werner behielt Nerven wie immer. Und auch wie immer bestellte er mal so an die 12 verschiedene Flaschen Wein, ließ sie alle aufziehen, „die brauchen ja Luft……“ und bestellte sich ein Bier. Auch wie immer.

Es würde hier zu weit führen die einzelnen Gänge im Detail zu beschreiben, denn die Teller waren nicht als Miniportionen bestellt, sondern „old-school“, will heißen komplettes Programm jeweils. Waren wir anfangs noch frohen Mutes angesichts der Menukarte, so änderte sich das quasi von Gang zu Gang. Dür Gürtel wurden unauffällig weiter geschnallt, der eine oder andere Knopf geöffnet und bald schon waren die nächsten zehn Flaschen geöffnet. Es floß in Strömen. Es war ein Fest. Die Frauen hatten aber dann doch irgendwann aufgegeben, das eine oder andere Fläschchen Mineralwasser wurde eingeschoben. Doch wir waren noch lange nicht am Ende. Denn gerade, als wir den ersten Verdauungsgrappa odern wollten, kamen die Kellner mit einer kompletten geschmorten Wildschweinkeule. Ein Bilderbuchteil, drappiert auf einem großen Silbertablett  Aufschrei von allen. „Hinweg damit….!!!!!“ Nix geht mehr. Alle hingen erschöpft in den Seilen, die Wangen glühten, die Zigaretten qualmten und die Weine wurden immer schwerer. Werner trank weiter Bier. Wie immer. Die Wildschweinkeule ging komplett zurück in die Küche, das Personal wird sich gefreut haben und schickte statt dessen noch so einiges an Desserts raus. Nur für die Männer selbstverständlich.

Nach sechs Stunden, x Flaschen Wein war Schluß, kurz vor der Ohnmacht. Und selbst die paar Stufen in die obere Etage zu den Hotelzimmern schafften wir nur Dank des Aufzuges.

Seither ist Werner verpflichtet, uns allen vorher zu beichten, was er bestellt hat. Daran hält er sich meistens…….

Kulinarische Begegnungen 43 – Alacati – Türkei

29. Oktober 2018

Nur zweimal habe ich bisher eine Pauschalreise unternommen. Einmal als Jugendlicher nach Mallorca, das zweite Mal nach Cesme in die Türkei. Das reicht als Erfahrung.

Aber es geht hier um türkische Gastfreundschaft. Bereits am zweiten Abend hatte ich die Massenabfertigung beim abendlichen Hotelbuffet satt, alles war zwar üppig und geschmackvoll arrangiert, die Auswahl der türkischen Speisen mehr als ausreichend und auch die Qualität war einwandfrei. Aber das Gedrängel, die voll geschaufelten Teller und die unqualifizierten Kommentare der meist deutschen Hotelgäste ging mir gewaltig gegen den Strich. Die restlichen Tage meines Aufenthaltes dort verbrachte ich abends dann doch lieben in den zahlreichen Restaurants von Cesme.

Das war einem aufmerksamen türkischen Kellner nicht entgangen und beim Frühstück fragte es mich in gebrochenem Deutsch, ob ich heute abend nach dem Service nicht Lust hätte mitzukommen, ein paar Kumpel würden in der Nähe den Grill anschmeißen um Fisch zu grillen. Klar, da bin ich dabei. Ich sagte zu. Wie verabredeten uns vor dem Hotel um zehn Uhr abends.

Er war pünktlich, hatte auf seinen Yamaha-Roller hinten eine Plastikbox gebunden, ich auf den Sozius-Sitz und ab ging es querfeldein über staubige Schotterpisten etwa zwanzig Minuten. Es war stockdunkel geworden, sternenklare Nacht, weit und breit nichts zu sehen. Und dann in der Ferne endlich ein Feuer. Ein brennendes Ölfass, ein paar Autos ein paar Männer und ein ziemlich großer glühender Grill. Eine Szenerie wie im Film…und ich hatte keinen Fotoapparat mitgenommen……

Wir waren insgesamt sechs Menschen, großes Begrüßungs-Hallo, ein wenig Deutsch sprachen sie alle. Der Typ am Grill schien nicht nur der Älteste zu sein er war auch Wortführer und Taktgeber für das nun beginnende Fischspektakel. Nacheinander kamen Doraden, Pulpos und anderes feine Meeresgetier auf den Grill, die Box auf dem Roller wurde geöffnet, darin auf gestoßenem Eis diverse Raki-Flaschen. Besteck war nicht da, gegessen wurde mit den Fingern. Es war wunderbar, es war eine tolle Stimmung. Und als irgendwann nach Stunden auch der letzte Fisch verputzt war, der Grill gelöscht, die Utensilien in den Autos verstaut waren ging es weiter. Diesmal musste ich in eines der Autos einsteigen, alle fuhren in das kleine Dorf Alacati, damals noch ein verträumtes romantisches Dorf, heute ein Hotspot für Surfer und ähnliche Sportler. Jedenfalls trafen sich alle Mann in einer kleinen Bar wieder. Erst gab es zwei, drei Gläser Tee, dann kreisten wieder die Rakiflaschen, ein Zeug, das ich nicht gewöhnt war, das aber mit zunehmendem Genuss immer besser die Kehle ölte…

Es wurde eine lange Nacht. Alle Versuche mich erkenntlich zu zeigen oder gar eine Flasche Raki zu bestellen wurden vehement abgewiesen. Ich sei Gast, ob ich sie beleidigen wolle……Also habe ich mich gefügt, ziemlich beschämt allerdings. Und seither bin ich Stammgast auf der Kölner Weidengasse.

Kulinarische Begegnungen 42 – Kilyos – Türkei

28. Oktober 2018

Istanbul ist eine laute Stadt, sie kann anstrengend sein. Während einer der ersten Istanbul-Reisen wollten wir mal für einen Tag dem Lärm entfliehen und raus aus der Stadt ans schwarze Meer. Von Besikitas aus nahmen wir eine der vielen Fähren, die langsam mit vielen Zwischenstops Richtung Norden schippern. Entlang der Küste, wo die Schönen und die Reichen wohnen, vorbei an alten Palästen, riesigen Villen und designten Hotels.

Etwa auf halber Strecke verließen wir die Fähre um den Rest mit den kleinen Bussen, den Dolmus, zu fahren. Leichter gesagt als getan, denn von den hunderten Linien die richtige zu erwischen entpuppte sich dann doch als Geduldsspiel. Irgendwann hatten wir die richtige Linie erwischt, den rappelvollen Dolmus bestiegen und rasten nun in Richtung schwarzes Meer. Sowohl die Besatzung des Busses als auch die Passagiere aus dem Bilderbuch: Der Fahrer mit riesigem Schnäutzer und Baseball-Kappe der kein Morgen zu kennen schien. Rote Ampeln waren für ihn höchstens Empfehlungen, die man nicht zu beachten brauchte, das Schaltgetriebe eher ein Fitnessgerät ebenso wie die Federung des Busses. Im Bus eine einzige Knoblauchfahne, es gab Bauern, die mit lebenden Hühnern unterwegs waren, vollbepackte Frauen und lärmende Kinder. Hatten wir gedacht, ein Dolmus würde die kürzeste Strecke entlang des Bosborus nehmen – nix da. Jedes Kaff wurde angefahren, jedes Dorf umrundet, an jeder Ecke wurde gehalten um Passagier rauszulassen und neue aufzunehmen. Es mögen so an die drei Stunden gewesen sein für die relativ kurze Strecke bis wir in Kilyos ankamen, der Endstation des Dolmus. Direkt am Meer hielt der Bus und die noch verbliebenen Passagiere stiegen aus. Direkt in eine schön gelegene Teestube. Chai erstmal, durchatmen, aufs Wasser schauen.

Am  Strand sitzen türkische Frauen in kompletter Montur auf Monoblöcken im Wasser. Knietief haben sie die Stühle ins Wasser geschoben, die langen Kaftane im Wasser, spielende Kinder. In einiger Entfernung ragt ein altes Schiffswrack aus den leichten Wellen. Wir gönnen uns gegrillten Fisch mit blassem Weisswein.

Und dann im Dolmus zurück nach Istanbul.

Kulinarische Begegnungen 41 – Casoli

27. Oktober 2018

Im Hinterland der versilianischen Küste der nördlichen Toskana befindet sich ein Dorf namens Casoli. Zu erreichen ist es nur über eine ziemlich schwierig zu fahrende Serpentinenstrasse, meist nur so schmal, dass gerade ein Auto passieren kann. Nino V. hatte hier oben in den Bergen, dort wo die Strasse endet, vor Jahren sein Wochenendhaus gebaut, das er mir für einige Tage zur Verfügung gestellt hatte. Wir waren gemeinsam hier hoch gefahren, er hatte mir das Haus erklärt, den Dorfplatz gezeigt und war dann zurückgefahren. Das Dorf bestand eigentlich nur aus etwa 10 Häusern rund um einen nicht asphaltierten Platz. Es gab ein Geschäft für alles, gleichzeitig Bar, gleichzeitig Bäckerei. Sonst nichts. Die Bewohner des Dorfes alle weit über 70 Jahre, die Frauen alle in schwarz gekleidet.

Gespenstische Stille nicht nur nachts, nur aus der Ferne hörte ich ab und an jaulende Tiergeräusche, auch tagsüber war so gut wie nichts zu hören. Stille meist, ab und zu ein Moped. Eine kleine Bialetti auf Ninos Gaskocher versorgte mich mit Kaffee und der Laden…..der machte Stullen. Und zwar die besten Stullen ever. Und obwohl das alles inzwischen über dreißig Jahre her ist, weiß ich noch wie diese Stullen aussahen. Zwei etwa zwei Zentimeter dicke Weißbrotscheiben mit hundert Gramm Salami oder Schinken belegt. Zusammengeklappt, in der Mitte durchgeschnitten, in Pergamentpapier eingewickelt. Ich hatte Mühe überhaupt reinzubeißen aber es lohnte sich. Jedesmal. Die Salami ein Gedicht, der Schinken eine Offenbarung. Und auch der Pecorino, der nebenan in einem der Häuser gemacht wurde, lohnte jeden Bissen.

Am nächsten Tag dann Lärm. LKWs kamen, diverse Feuerwehrautos rauschten auf den Platz, eine Blaskapelle erschien, Bierkästen wurden aufgestellt, große Tische auf den Platz drappiert. Die freiwillige Feuerwehr der Gegend machte ihr Jahresfest hier in Casoli, in der tiefsten Toskana-Pampa. Und die Jungs ließen es so richtig krachen. Und was aßen sie? Stullen wie meine, dazu Spanferkel, Speck und Lardo. Reichlich. Alkohol floß in Strömen, gesungen wurde auch, von allen.

Jedesmal, wenn ich heute italienisches Weißbrot sehen, denke ich an diese Stullen…..von mir selbstgemacht schmecken sie lange nicht so toll wie damals. Klar: verklärt.

 

Kulinarische Begegnungen 40 – Parmesan

26. Oktober 2018

Kölner Innenstadt, kleines italienisches Restaurant. Der Chef steht in der Küche, seine Frau macht den Service. Angeboten wird ausschließlich Pasta und Salat. Auf meine Frage, ob ich noch etwas Parmesan für meine Carbonara bekommen könnte:

„Nä, der ist schon drin. Wir kochen hier das Original, da kommt nix mehr drüber.“ Der Ton läßt keine Widerrede zu….Die Carbonara waren allerdings nicht mit Guanciale sondern mit Schinken gemacht. Die Kölner……

Kulinarische Begegnungen 39 – Ohne Magnus Nielsson im Fäviken – Schweden

25. Oktober 2018

Juni 2012. Wir waren nach Stockholm geflogen um mit dem Mietwagen nach Nordschweden zu fahren. Hier, so hatte es allerorten geheißen, kocht ein bärtiger Typ namens Magnus Nielsson in noch nie dagewesener Weise neue nordische Küche. Ausschließlich mit regionalen Zutaten, ausschließlich für den puren Produktgeschmack.

750 km Autofahrt von Stockholm in das schwedische Nirvana, die Strecke toll, Natur pur, Wälder ohne Ende, vorbei an Dutzenden Seen, Rentiere unterwegs, rote Bullerbü-Dörfer. Die eine oder andere Pause, hunderte Fotos, eine Zwischenübernachtung (hier beschrieben).

Irgendwann ist man dann im Nirgendwo Nordschwedens angekommen, die Beschilderung ist spärlich aber ausreichend.

Damals schrieb ich: „Das Restaurant ist eine Art große, noble Blockhütte auf zwei Etagen. Im Erdgeschoß werden die Vorspeisen serviert, im oberen Geschoß das Menu. Und das hat es in sich. Sowohl die Qualität der Zutaten als auch die Exklusivität der Zubereitung ist uns in dieser Form bislang noch nicht begegnet. Wenn auch das Menu nicht die ganz große Kochkunst darstellt, so haben wir dort ein Essen genossen, dass eindrücklich in Erinnerung bleiben wird. Auch hier, wie überall in Schweden, haben wir Menschen erlebt, die Gastgeber im wahrstem Wortsinne sind. Purismus in dieser Form, als neue nordische Küche definiert, wird seine Nachahmer finden. Da sind wir sicher.“

Das komplette Menu ist hier zu sehen.

In Erinnerung bleibt das Gesamtkonzept, zu dem offensichtlich bereits die Anfahrt gehört.

Kulinarische Begegnungen 38 – Wenn der Pfarrer mit trinkt

17. Oktober 2018

Guiseppe, Architekt im Ruhestand, Georgio, Geschäftsführer im Ruhestand und Antonio, Pfarrer im Ruhestand. Drei Senioren, die sich seit Kindesbeinen kennen, alle drei topfit, trinkfest und wandersfroh. Ihr Plan: Eine Woche Barcelona mit Ausflügen ins Hinterland. Wir sollen das mal organisieren. Mehr Wein- als Wandertour und ab und zu was feines essen wäre ja auch nicht so schlecht……Wenn ich gewußt hätte, was da auf mich zukommt. Als Rheinländer kennt man sich ja aus mit frechen Sprüchen und aus der Hüfte formulierten Späßchen – es reichte nicht gegen diese Übermacht an Witzbolden.

Das ging schon beim Frühstück los, für das wir uns in unserer Lieblingsbar um die Ecke verabredet hatten. Cafe und Croissant für uns, das große Besteck für die Herrschaften. Da kam dann alles auf den Tisch, was die kleine Karte hergab: Speck mit Rührei, Schinken, O-Saft, kleines Müsli, Croissants…“Wir brauchen ja eine Grundlage….“ Kaffee in verschiedenen Varianten, noch ein Fläschen Mineralwasser fürs Bäuerchen, die anderen Gäste in der Bar waren ausser sich vor Spaß. Und die drei Herrschaften schien das nur noch zu befeuern. Der spanischen Sprache in keiner Weise mächtig gings nun an die Konversationsversuche mit den Einheimischen, wovon ich allerdings wenig mitbekam, denn ich bin raus vor die Türe, ein wenig Nikotin inhalieren.

Irgendwann waren sie genug gestärkt und bereit für alle Schandtaten dieser Welt. Alle drei voller Tatendrang für eine erste Orientierungsrunde durch Barcelona. Und dort sind ja die kulinarischen Verführungen omnipräsent. Während wir so durch die Altstadtgassen schlendern, entdecken wir eine alte Bodega, Schinken an der Decke, Konserven bis zur Decke, die kleine Theke übervoll mit Wurst- und Käsewaren, kleine Marmortische und hintendurch eine Weinbar. Na wenn das nicht mal Gelegenheit ist, ein erstes Gläschen Cava zu ordern. Wir nehmen Platz, die drei schauen sich um, sind begeistert, die Gläser blitzschnell geleert und nicht spricht doch dagegen, direkt ne Flasche zu bestellen, ist ja auch preiswerter als die offenen Gläser. Gesagt, getan, geleert. Die Stimmung bestens, es wird rumgeblödelt wie in Jugendzeiten. Und weiter gehts.

Guiseppe, der schon ein paar Mal in Barcelona war, erinnert sich an eine kleine Bar, in der es ausschließlich frittierte Sardinen gibt, da soll es als nächstes hin. Kein Problem, es ist ja noch früher vormittag, wahrscheinlich hat die Bar „La Plata“ schon offen. Und auf dem Weg dorthin fallen ihm auch noch einige andere „Schuppen“ ein, die er in Erinnerung hat, muss er seinen Kumpel alle noch zeigen. Antonio, der Pfarrer, der sich bis dahin etwas im Hintergrund gehalten hatte und unterwegs mehr an den Kirchen- als an den Restaurantbauten interessiert war, taut langsam so richtig auf. Seine Sprüche, seine Kommentare lassen mein Zwergfell zum Muskelkater gerinnen. Es zerreißt mich vor lachen. Kaum haben wir das „La Plata“ erreicht, sogar noch alle einen Sitzplatz ergattert und die erste Runde Pescaditos geordert, die von den drei ganz selbstverständlich brüllend heiß mit Kopf und Schwanz und Gräten verputzt werden, taucht die Frage nach dem dazu passenden Getränk auf. Weil ich weiß, das der Wein hier eher zum Zähneputzen geeignet ist, empfehle ich ein Quinto, kleines Bierchen 0,2 ltr…. Fehler. Was sind denn das für kleine Parfumfläschchen? Davon brauchen die Kerle erstmal zwei weitere und sind nun auch wieder bereit, den Bummel fortzusetzen. Denn das war ja gerade schön appetitanregend.

Also wie gewünscht ins „Vaso D’oro“, eine schlauchartige Bar mit langer immer gut bestückter Tapastheke und einer offen sichtbaren Plancha. Und genau dort bekommen wir einen Platz. Grundsätzlich werden in dieser Bar „Flautas“ bestellt, schmale Pilsgläser, 0,3 ltr. Die stehen schnell vor uns und nun müssen erstmal die einzelnen Tapas besichtigt bzw. erklärt werden. Während dessen ist der Koch an der Plancha ganz in seinem Element, fügt noch das eine oder andere Messerkunststück in seine Demonstration ein und als die drei bemerken, was da produziert wird (Solo mio mit Foie) war klar, was passiert. Haben wollen. Drei Portionen bitte und drei weitere Flautas. Die Steaks werden medium auf der Planche gebraten, in kleine Stücke geschnitten und dann großzügig mit gehobelter Foie Gras überzogen. Die drei sind ehrfürchtig, ganz still lassen sie die butterzarten Fleischstückchen auf ihren rauen Zungen zergehen.

Dann  gehts weiter, durch den Hafen, Richtung Meer. Das kann den Herrschaften in keinster Weise imponieren, sind sie doch hartgesottene Bergfans, die in Südtirol jeden Berg persönlich erklommen haben. Meer ist viel zu flach und die salzige Luft macht ohnehin nur durstig. Auf dieses Stichwort reagieren sie prompt. Wie wärs denn mit einem Abschlussbier vor einer feinen längeren Siesta? Guiseppe möchte zum „Cova Fumada“, das er aus früheren Barcelonabesuchen bestens in Erinnerung hat. Wie erwartet ist der Laden jetzt schon brechend voll, Höllenlärm und wie gedacht müssen wir erst mal am Tresen warten, bis uns ein Tisch zugewiesen wird. Prima, dann kann Giorgio sich vor die Küche stellen, zusehen, was da so alles auf den Tellern rausgetragen wird und seinen Kumpels Details erklären. Sepia a la plancha, Percebes, Bombas etc. Speichelfluss bei allen dreien, der Pfarrer bekommt vor Vorfreude roten Wangen.

Dann ist es soweit, wir bekommen unseren Tisch und jetzt heißt es rasch bestellen. Das übernimmt selbstredend Guiseppe, er hat sie Schiefertafel komplett auswendig, ein paar Bierchen dazu und dann beginnt ein weiteres Gelage……..

 

 

 

 

Kulinarische Begegnungen 37 – Feueralarm in der baskischen Pampa

16. Oktober 2018

D. und N. aus Berlin sind Freunde auf so mancher Weintour. Ob Sardinien, Toskana, Priorat oder wie diesmal im Rioja-Gebiet – stets sind es genussreiche und weinselige Touren gewesen. Für die Rückreise hatten wir uns vorgenommen, noch einige Tage die baskische Küste entlang zu fahren und dafür zwei Appartements übers Internet in einem abgelegenen Tal in Küstennähe gebucht. Ausschlaggebend die die Auswahl dieser Appartements war die Möglichkeit, eine im Erdgeschoss des Hauses befindliche Profiküche nutzen zu können, hier wollten wir nach all den Restaurantbesuchen mal wieder selber die Töpfe schwingen. So der Plan.

Wurde aber zunichte gemacht, denn für die einmalige Nutzung der Küche sollten zweihundert Euro hingelegt werden, was uns der Spaß nicht wert war. Hinzu kam, dass wir auf dem Weg dorthin nirgends einen Laden, einen Supermarkt oder eine andere Einkaufsquelle für Lebensmittel gefunden hatten. Lediglich ein Päckchen Nudeln und eine Dose Tomaten hatten wir ergattern können. Der für die Vermietung der Appartements zuständige Senior überreichte uns die Schlüssel und verabschiedete sich, als ein weiteres Ehepaar mit quängelndem Kleinkind ebenfalls eingetroffen war.

Improvisiationsstark wie wir nun mal sind war rasch der Plan in die Tat umgesetzt, die in jedem unserer Appartements befindlichen Kochplatten (es war jeweils nur eine da) parallel zu nutzen. In einem Appartement wurde ein Topf mit Wasser aufgesetzt, im anderen ein Topf für das Sösschen. Und weil das Ganze sich in die Länge zog und wir auf der gemeinsamen Terrasse noch das eine oder andere Gläschen Vino schlürften und die wunderbare Aussicht auf die Natur genossen, hatten wir fast das Nudelwasser vergessen. Fast. Denn plötzlich ging ein Alarm los. Ein widerlicher durchdringender Pfeifton ließ fast das ganze Haus erzittern. Wir sausten in die Appartements, einer der Feuermelder war intelligenterweise direkt über einer der Herdplatten montiert, der Wasserdampf hatte den Melder ausgelöst. Natürlich fanden wir keine Möglichkeit, das Ding abzustellen. Das wütende Ehepaar über uns mit inzwischen schreiendem Kleinkind war entnervt, rannte auf die Strasse, auf der sich schon Menschen aus entfernten Nachbarhäusern versammelt hatten. Ich zündete mir erst mal ein Zigarettchen an, schadet in solchen Fällen ja nie. Und wir palaverten mit den Spaniern. Niemand wusste, wie die Hausverwaltung der Appartements zu erreichen war, niemnd kannte sich mit dieser Alarmanlage aus und auch der Sicherungskasten war nicht zu finden. Kellerschlüssel hatten wir nicht.

Der schrille Signalton war hier draussen noch spektakulärer, es schien, als ob das Tal ein nicht enden wollendes Echo zurückwarf. Einer der Nachbar telefonierte sich die Finger wund und gab irgendwann das Zeichen, dass er jemanden erreicht hatte, der für Ruhe sorgen konnte. Und nach etwa zwanzig weiteren nervenden Minuten kam dann jener Hausmeister, der uns die Schlüssel übergeben hatte, fand aus dem Stand den Sicherungskasten und dann war Stille. Herrlich. Ein weiteres Zigarettchen.

Die Menschengruppe löste sich langsam auf und wir blieben draussen stehen. Hungrig. Was soll’s, wir haben dann doch noch die Pasta mit Tomatensösschen gekocht, war gar nicht so übel und noch das eine oder andere Fläschen geschlürft.

Und am nächsten Tag war aber sowas von feinstem Menu angesagt…..San Sebastian…….

Kulinarische Begegnungen 36 – Tres fasico

15. Oktober 2018

Während eines spontanen Mehr-Tages-Ausfluges an die Costa Brava, der uns in diverse Weingüter und Restaurants führen sollte, hatten wir einen Stop in dem kleinen Küstenort Begur in der Provinz Girona eingelegt. Wir waren auf „gut Glück“ von Barcelona aus gefahren und hatten wie so oft dem talentierten Näschen der Chefin de Cuisine vertraut, schon die richtigen einschlägigen Lokale und Hotels zu finden. So auch in Begur, wo wir im „Convent de Begur“ nach einem gar nicht so schlechten Menu nächtigten.

Als notorischer Frühaufsteher begebe ich mich anderntags gegen sieben Uhr in das Restaurant um den ersten Expresso zu schlürfen. Ein noch schläfriger Kellner serviert das heiße Erfrischungsgetränk und erklärt mir mit bedauerndem Unterton auf deutsch mit sehr starkem rheinischen Einschlag, dass die deutschen Zeitungen leider noch nicht da seien. „Dat määht doch nix“ antworte ich ihm auf kölsch und das scheint eine Explosion in ihm auszulösen. Auf einmal ist er hellwach, fast Tränen in den Augen vor Begeisterung, wir kommen ins schwätzen. Er stamme aus der Aachener Gegend, sei eigentlich Architekt und vor vielen Jahren der Liebe wegen hier hängen geblieben…..

Zwischendurch order ich immer wieder weitere Exemplare des vorzüglichen Cafe solo bis es ihm zu bunt zu werden scheint. Das ist doch nix, da gibt es doch viel bessere Getränke in dieser Gegend für diese Tageszeit. Ob ich nicht den „Tres fasico“ kennen würde. Und als ich bedauernd verneine bittet er mich, ihm in die Bar zu folgen, wo die professionelle Kaffeemaschine stünde.

Ein schmales Wasserglas wird je zu einem Drittel mit Expresso, aufgeschäumter Milch und erhitztem Brandy gefüllt. Und zwar so, dass sich die drei Bestandteile nicht miteinander mischen, sondern quasi übereinander im Glas stehen. Das erste Exemplar dieses Getränkes macht er für sich, zum Test, ob die Temperatur richtig ist, den zweiten für mich, den dritten für sich, den vierten für mich….und so weiter. Das Ganze wird erst beendet, als die Chefin de Cuisine zum Frühstück erscheint, das dann von einer anderen Servicemitarbeiterin serviert wurde. Und die nächste Etappe unserer Tour saß dann die Chefin de Cuisine am Steuer.

Kulinarische Begegnungen 35 – Estany Clar

14. Oktober 2018

Am Fuße der Pyrinäen in der Nähe des Ortes Berga hatten wir einen Tisch im Restaurant Estany Clar von Jordi Cruz reserviert und das telefonisch übermittelte Angebot angenommen, nach dem Diner dort auch zu übernachten denn nach Barcelona zurück wäre ungünstig gewesen.

Jordi Cruz war damals der jüngste spanische Zwei-Sterne-Koch und entsprechend hatten wir ein sehr feines und aufwendiges Menu genossen, das sich wie meist in Spanien über viele Stunden hinzog und von reichlich Wein begleitet wurde. Und bevor der abschließende Expresso serviert wurde kam die Frage, ob der Fahrer bestellt werden könne. Wieso Fahrer, wir haben ja eine Übernachtung gebucht……Ja, aber doch nicht hier im Haus, sondern im eigens zur Verfügung stehenden Gästehaus ausserhalb…..Dumm gelaufen, hatten wir doch gedacht hier über dem Restaurant in einer Art Hazienda schlafen zu können. Und als ich die Restaurant-Rechnung bezahlen möchte werde ich auf morgen verwiesen, dann machen wir alles in einer Summe……

Inzwischen war es kurz vor Mitternacht, draussen stockdunkel und der „Fahrer“ kam uns abholen. Typ britischer Landlord, ein fetter Geländewagen britischer Herkunft vor der Türe, wir mögen doch bitte hinterherfahren, er zeige uns den Weg. Nichts leichter als das, wie immer beschwingt angesichts des konsumierten Alkohols tuckerte ich mit dem Mietwagen hinterher. Das dauerte. Tief in die Berge, sie Strassen wurden immer schmaler, langsam wurden wir unruhig. Was passiert hier? Und nach weiteren zehn Minuten Fahrt in die spanische Pampa bog er zu einem im Dunkel liegenden Gehöft ein. Drei Häuser auf einem riesigen Grundstück. Der Fahrer stieg aus und schaltete irgendwo das Licht ein, das nun die ganze Szenerie beleuchtete. Und er führte uns rum: Links ein komplett verglaster Saal. Hier hätten locker hundert Menschen Platz, das sei der Raum für Feierlichkeiten. Falls wir noch durstig oder hungrig seien, der gefüllte Kühlschrank steht uns zur Verfügung. Darin lagen diverse Flaschen Cava und Weisswein, daneben Kisten feinsten Rotweins, Käse, Würste alles da, nur für uns. Falls wir keinen Hunger mehr hätten und statt dessen lieber ein wenig Bewegung hätten könnten wir das zweite Haus benutzen. Hier war ein komplettes Fitness-Studio untergebracht, das von uns jedoch nur mit einem müden Lächeln quittiert wurde, nix da um diese Zeit. Das dritte Haus schließlich, ein zweigeschossiges massives Steinhaus sei die eigentliche Pension. Nur für uns heute hergerichtet, ein einziges riesiges Zimmer, bestens ausgestattet und eingerichtet. Es war wunderbar. Und damit verabschiedete sich der Fahrer, nicht ohne uns noch zu fragen, wann wir das Frühstück haben möchten, er würde das morgen rechtzeitig vorbeibringen……

Kaum war der Fahrer in der Dunkelheit verschwunden gehen wir nochmal raus in den Saal, öffnen eine Flasche Wein und lachen uns halb schlapp. Das ist doch hier bestimmt versteckte Kamera, das kann doch so alles gar nicht sein. Ein zweites Fläschchen geht sicherlich auch noch…..es war ein schlimmer Abend geworden……

Der nächste Morgen. Gegen neun Uhr pünktlich kommt der Geländewagen. Wir hören ihn hier in der Einsamkeit der Berge schon von weitem. Der Fahrer reicht mir an der Türe ein riesiges Tablett, das ich nur quer durch die Türe bugsieren kann. Darauf alles, was das Frühstücksherz begehrt, vorbereitet aufs Feinste in der Restaurantküche. Und schon haben wir wieder Hunger. Danach ein Orientierungsspaziergang in der Pampa. Weit und breit nur Natur, kein Haus, nichts. Stille.

Die Rückfahrt zum Restaurant zur Begleichung der Rechnung war dann doch ziemlich einfach und mit einem gar fröhlichen Liedlein auf den spitzen Lippen sind wir dann entspannt zurück nach Barcelona.

Jetzt beim schreiben fällt mir ein, dass das nochmal wiederholt werden sollte…..