Kulinarische Begegnungen 72 – Grüner Absinth in Soller

Ein Bekannter hatte uns sein Feriendomizil in Soller auf Mallorca zur Verfügung gestellt. Traumhaft gelegen, unmittelbar neben der Kirche mit Blick auf den Marktplatz. Und weil der Bekannte disignaffin ist, war die riesige Wohnung nicht nur toll eingerichtet sondern auch mit allem ausgestattet, was für einen kulinarischen Urlaub nötig ist. Wir waren zu Viert und hatten die Idee, den dort damals wieder frei verkäuflichen Absinth zu probieren. Legendäres hatten wir von dem Zeug gehört, sollte einschlagende Wirkung haben etc. Also hatten wir uns auf die Suche gemacht und tatsächlich auch einen Laden gefunden, der den grünen Alkohol verkaufte.

Wir hatten abends gekocht. „Piementos del Patron“ und anderes. Von den etwa hundert Bratpaprika war eine höllenscharf. Die erwischte Nobbi. Der lief blau an, konnte kaum noch atmen, war kurz vor dem abnippeln, es war fürchterlich. Da half kein Trinken und kein Jammern, er musste da durch. Die andern zwar in Sorge aber schon schadenfreudig grinsend.

Und in diesem Stil ging der Abend weiter, das eine oder andere Fläschchen Wein floß wieder durch die erhitzten Kehlen, Nobbi begann seine legendären Tanzfiguren zu demonstrieren, untrügliches Zeichen für feinen Weingenuss – es war also so, wie so oft. Und genau die richtige Stimmung um den Absinth zu testen. Also wurden vier kleine Gläschen geholt, Zuckerwürfel und Teelöffel. Wir machten es so, wie wir es gelesen hatten, den Absinth über brennende Zuckerwürfel gießen und dann langsam schlürfen. Jeder erst mal ein kleines Testgläschen. Gar nicht so schlecht, ein bisschen Anis, ein bisschen Kräuter, kann man machen. Also nochmal ne Runde. Und die war zuviel. Denn im wahrstem Wortsinne hatte mir das zweite Gläschen die Beine umgerissen. Ich konnte nicht mehr stehen, schwere Schwindelanfälle ließen mich taumeln und nur auf allen Vieren schaffte ich es noch zur Toilette. Es war fürchterlich, und lehrreich. Nie wieder Absinth habe ich mir geschworen und selbst in der abgerocktesten aller Absinth-Bars im Raval-Viertel von Barcelona habe ich es mir verkniffen das namensgebende Zeug zu bestellen. Never ever.

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