Kulinarische Begegnungen 68 – Bei den Roca-Brüdern

Der erste Besuch bei den Brüdern fand statt, als sie noch in ihrem alten Domnizil nahe ihres Elternhauses kochten. Das ist bald zwanzig Jahre her. Wir hatten zwar reserviert, aber einen denkbar schlechten Platz in der hintersten Ecke des Ladens bekommen, neben uns ein dickleibiger Amerikaner, der fleißig Notizen machte und schon damals fotografierte, was auf den Tisch kam. Meiner Erinnerung nach war es eine ordentliches Menu, das mich aber nicht umhaute und mir auch nicht nachhaltig in Erinnerung geblieben war.

Das sollte sich aber dann gewaltig ändern, ein paar Jahre später mit den inzwischen doch schon zahlreichen Besuchen in dem neugebauten Tempel spanischer Gourmetküche. Auch wenn es heute nicht mehr ganz so unkompliziert ist, kurzfristig einen Tisch zu ergattern, der Laden ist jeden Kilometer Anfahrt wert. Juan, Jordi und Josep – die drei Brüder des Cellar de Can Roca sind Gastgeber. Die in einer eigenen Liga spielen und die einen enormen Aufwand treiben um herausragende Menus zu kreieren.

Ein Besuch dort ist mir ganz besonders in Erinnerung geblieben, aus vielerlei Gründen: Von Barcelona aus hatten wir ein paar Tage Sonderurlaub rund um Girona eingeplant, die Garotxa war unser Ziel, das traumhafte Hinterland der Costa Brava. Wir hatten ein kleines Hotel in der Nähe von Girona gebucht und uns die Gegend angeschaut. Was passiert? Wir entdecken ein zauberhaftes Restaurant, das ein Fisch-Degustationsmenu mittags offeriert. Und dazu haben wir noch nie nein gesagt. Und obwohl klar war, dass wir abends im Can Roca essen, gönnten wir uns also ein sechs-gängiges Fischmenu, passende Weinbegleitung dazu, wunderbar. Danach nur ein ganz kurzes Mittagsschläfchen im Hotel, umziehen und dann, immer noch leicht gesättigt, ab nach Girona…..

Juan Roca begrüßt uns herzlich wie immer und auf die Frage, ob wir mit in die Küche kommen wollen, kann die Chefin de Cuisine natürlich nicht nein sagen. Während ich mir den Maschinenpark dort ansehe, den Rotationsverdampfer erklären lasse und mich mehr in sie „süße Ecke“ orientiere, diskutiert die Chefin de Cuisine mit dem richtigen Küchenchef Feinheiten des Sous-Vide Garens. Die anderen Köche grinsen sich eins….

Dann gibt es ein Gläschen Cava in der Lounge vorab. Und es wird ein kleines Bonsai-Bäumchen auf den Tisch gestellt, an dem kandierte Oliven hängen. So als Einstimmung auf das Menu, das dort aus etwa zwanzig Tellern besteht. Und nachdem wir an unseren Tisch begleitet wurden, kommt Josep, der zweite Roca-Bruder und Sommelier. Beratschlagen welche Weine zum Menu passen, ok Weinbegleitung, nur so lernt man ja neue Tropfen kennen…. Lang der Rede, nach der Hälfte des Menus spüre ich dann doch leichte Sättigung und beginnende Müdigkeit, wohingegen die Chefin de Cuisine wie so oft immer munterer wird, die alte Nachteule. Meine Konzentration auf die kulinarischen Highlights lässt immer mehr nach und ich bin heilfroh als das Menu beendet ist. Ich bin müde. Josep Roca will uns aber noch den Weinkeller zeigen, ich kann kaum noch stehen vor Müdigkeit, setze mich nochmals in die Lounge und bestelle einen doppelten Expresso. Und die Chefin de Cuisine verschwindet mit Josep in den Weinkeller. Als sie zurück kommt findet sie mich schlafend mit nem kalten Kaffee auf dem Tisch…..extrem peinlich, ich schwöre, das ist nur das einzige Mal passiert.

Ziemlich euphorisiert erzählt sie auf der Rückfahrt zum Hotel von all den Schätzen im Weinkeller, von der Einkaufsphilosophie des Ladens und überhaupt, wie toll doch dieses Restaurant sei. Ich stimme ihr natürlich still zu….und zurück in Deutschland wurde unser Weinkeller dann nicht nur aufgerüstet sondern auch aufgefüllt…….

Fotos verschiedener Menus gibt es hier, hier und hier.

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