Kulinarische Begegnungen 48 – Kindheit II.

Reisesouvenirs gab es in der Familie immer. Egal wer von einer Reise zurückkam, Souvenirs waren im Gepäck. Und zwar immer Lebensmittel, immer irgendeine kulinarische Überraschung. Und diese Tradition hat ihren Ursprung Mitte der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts: Mein Vater kehrte von einer Geschäftsreise nach Mailand zurück und erzählte begeistert von einem Ausflug nach Cique Terre. Er schwärmte von den dortigen Steilhängen, von den Schwierigkeiten dort Wein anzubauen und von kulinarischen Dingen, die er dort erlebt hatte.

Dann packte er stolz wie Oskar ein kleines Päckchen aus, fein säuberlich in Pergamentpapier eingewickelt holte er eine weiß grünliche Masse hervor. Oh nein, riefen wir Kinder, das ist ja auf der Reise verschimmelt…..Nix da, das muss so sein, das ist allerfeinster italienischer Käse. Gorgonzola. Und er schnitt vorsichtig ein paar Stückchen dieses Käses ab und alle probierten. Die Mutter und die Schwester verzogen die Gesichter, während mein Bruder, mein Vater und ich in helle Begeisterungsrufe ausbrachen. Diese würzige Schärfe, die Konsistenz, überhaupt, da kannste doch jeden Gouda stehen lassen. Ich war euphorisiert, begeistert, gierig nach mehr.

Es ging aber noch weiter. Er entkorkte die einzige mitgebrachte Flasche weissen Wein aus Cinque Terre. Zu jener Zeit wurden zuhause fast ausschließlich restsüße Weine aus Rheinhessen getrunken, ab und zu auch mal welche von der Mosel, aber alle hatten, so meine Erinnerung, stets die restsüße Klebrigkeit, die mir bis heute nicht so richtig schmecken will. Nun aber italienischer Wein, blass, nahezu geruchlos. Und wir Kinder durften mitprobieren. Welche Enttäuschung, das Zeug war sauer, hatte mit Wein, den wir kannten, überhaupt nichts gemeinsam. Während mein Vater schwelgte, schwieg der Rest der Familie. „Das ist doch ein Fratzenschneider“ wurde später zum geflügelten Begriff für Weine, die nicht schmeckten…….

Ein paar Wochen später eine ähnliche Situation. Der Vater kommt nach Hause und versteckt ein großes Paket im Kühlschrank und verbietet der Familie unter Androhung schärfster Maßnahmen das zu öffnen. „Das gibts heute abend. Von mir zubereitet.“ Und solche Ansage hieß es zu befolgen.

Auf den Tisch kamen dann zwei große Platten geräucherter Fisch. Da gab es Sprotten und Schillerlocken, da gab es Bückling und anderes geräucherte Meeresgetier. Und wieder hatten die Männer der Familie die größeren Begeisterungsausbrüche. Welch ein Genuss, welcher feine Nachgeschmack.

Und diese Begeisterung ist bis heute geblieben, egal ob Fisch oder Fleisch, ob kalt- oder heiß geräuchert.

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