Kulinarische Begegnungen 43 – Alacati – Türkei

Nur zweimal habe ich bisher eine Pauschalreise unternommen. Einmal als Jugendlicher nach Mallorca, das zweite Mal nach Cesme in die Türkei. Das reicht als Erfahrung.

Aber es geht hier um türkische Gastfreundschaft. Bereits am zweiten Abend hatte ich die Massenabfertigung beim abendlichen Hotelbuffet satt, alles war zwar üppig und geschmackvoll arrangiert, die Auswahl der türkischen Speisen mehr als ausreichend und auch die Qualität war einwandfrei. Aber das Gedrängel, die voll geschaufelten Teller und die unqualifizierten Kommentare der meist deutschen Hotelgäste ging mir gewaltig gegen den Strich. Die restlichen Tage meines Aufenthaltes dort verbrachte ich abends dann doch lieben in den zahlreichen Restaurants von Cesme.

Das war einem aufmerksamen türkischen Kellner nicht entgangen und beim Frühstück fragte es mich in gebrochenem Deutsch, ob ich heute abend nach dem Service nicht Lust hätte mitzukommen, ein paar Kumpel würden in der Nähe den Grill anschmeißen um Fisch zu grillen. Klar, da bin ich dabei. Ich sagte zu. Wie verabredeten uns vor dem Hotel um zehn Uhr abends.

Er war pünktlich, hatte auf seinen Yamaha-Roller hinten eine Plastikbox gebunden, ich auf den Sozius-Sitz und ab ging es querfeldein über staubige Schotterpisten etwa zwanzig Minuten. Es war stockdunkel geworden, sternenklare Nacht, weit und breit nichts zu sehen. Und dann in der Ferne endlich ein Feuer. Ein brennendes Ölfass, ein paar Autos ein paar Männer und ein ziemlich großer glühender Grill. Eine Szenerie wie im Film…und ich hatte keinen Fotoapparat mitgenommen……

Wir waren insgesamt sechs Menschen, großes Begrüßungs-Hallo, ein wenig Deutsch sprachen sie alle. Der Typ am Grill schien nicht nur der Älteste zu sein er war auch Wortführer und Taktgeber für das nun beginnende Fischspektakel. Nacheinander kamen Doraden, Pulpos und anderes feine Meeresgetier auf den Grill, die Box auf dem Roller wurde geöffnet, darin auf gestoßenem Eis diverse Raki-Flaschen. Besteck war nicht da, gegessen wurde mit den Fingern. Es war wunderbar, es war eine tolle Stimmung. Und als irgendwann nach Stunden auch der letzte Fisch verputzt war, der Grill gelöscht, die Utensilien in den Autos verstaut waren ging es weiter. Diesmal musste ich in eines der Autos einsteigen, alle fuhren in das kleine Dorf Alacati, damals noch ein verträumtes romantisches Dorf, heute ein Hotspot für Surfer und ähnliche Sportler. Jedenfalls trafen sich alle Mann in einer kleinen Bar wieder. Erst gab es zwei, drei Gläser Tee, dann kreisten wieder die Rakiflaschen, ein Zeug, das ich nicht gewöhnt war, das aber mit zunehmendem Genuss immer besser die Kehle ölte…

Es wurde eine lange Nacht. Alle Versuche mich erkenntlich zu zeigen oder gar eine Flasche Raki zu bestellen wurden vehement abgewiesen. Ich sei Gast, ob ich sie beleidigen wolle……Also habe ich mich gefügt, ziemlich beschämt allerdings. Und seither bin ich Stammgast auf der Kölner Weidengasse.

Schlagwörter:

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s