Kulinarische Begegnungen 24 – closed kitchen

Schweden Anfang Juni 2012. Wir waren nach Stockholm geflogen. Aus kulinarischen Gründen (über die noch zu berichten sein wird). Und um das schon damals legendäre Restaurant Fäviken zu besuchen (auch dazu wird noch einiges zu sagen sein). Wir hatten uns einen Wagen geliehen und als Zwischenstop das kleines Dala-Husby-Hotel reserviert, das auch abends warme Küche anbietet.

Nun ist die Fahrt von Stockholm nach Järpen im Jämtland das reinste Idyll. Wälder, Wälder, Wälder. Vorbei an zahllosen Seen, durch Bullerbü-Dörfer, noch mehr Wälder. Und irgendwann erreichten wir am späten Nachmittag das kleine Hotel. Bullerbü pur. Rot gestrichene Holzfassade, großer grüner Garten, alles sehr gepflegt. Wir setzen uns erstmal raus, kleines Erfrischungsgetränk. Und als wir die Hotelinhaberin nach möglichen abendlichen Genüssen fragen kommt die Antwort: „Oh, I’m so sorry, but the kitchen ist closed today.“ Der Koch habe heute seinen freien Tag, es wäre nichts vorbereitet aber sie würde mal sehen, ob sie selber etwas herrichten könne.

Wir sind einerseits enttäuscht, andererseits froh, denn weit und breit war uns auf der Fahrt hierher nichts aufgefallen, wo wir auch nur einen Hauch Essbares hätten besorgen könne, hier in the middle of nowhere. Und irgendwann abends ruft sie uns dann zum Diner.

Die Weinkarte ist überraschend umfangreich, der von uns bestellte Weißwein kommt perfekt temperiert und dann serviert sie uns erstmal einen Hummer. Wow. Damit hatten wir nun gar nicht gerechnet. Dafür, dass die Küche heute geschlossen ist, ist das schon mal ein feiner Start. Das halbierte Tier, mit brauner „Butter“ serviert, schmeckt aussergewöhnlich gut, irgendwie mit einer uns nicht bekannten Geschmacksnote. Wir bleiben gespannt, auch als der nächste Gang, ein geschmorter Rentierbraten mit zartem Gemüse serviert wird. Butterzartes Fleisch, eine wunderbare Soße, alles gut, wie lehnen uns zufrieden zurück…….Natürlich freut sich die Inhaberin als wir ihr unsere Begeisterung über das Menu zeigen, na ja, sie hätte mal rasch was zusammengekocht, nichts Besonderes.

Der nächste Morgen. Wir sind immer noch die einzigen Hotelgäste und können kaum glauben, dass für uns ein Frühstücksbuffet aufgebaut wurde. Mindestens zehn Sorten Konfitüre, Dutzende Käsesorten, Schinken unterschiedlicher Ausprägung vom Rind, vom Schwein und vom Rentier, fünf Brotsorten, diverse geräucherte Fische, es war unglaublich. Und als wir die Butter aufs Brot streichen und dezent probieren, erleben wir wieder jenen unbekannten Geschmack, der bereits am Vorabend für irritierende Begeisterung gesorgt hatte. Als wir die Inhaberin fragen, welche Butter das sei, antwortet sie mit einem nicht verständlichen schwedischen Begriff. Über unseren Köpfen ein großes Fragezeichen, bis sie uns einen kleinen Zettel schreibt: „A tree called Björk“. Und sie erklärt, dass die Butter mit Birkenöl gemischt wird, für den besonderen Geschmack. Das sei eine Spezialität der Gegend. Alleine das frische Brot mit dieser Butter hätte ausgereicht um dem Frühstück die Bestnote zu geben. Es war ein Fest.

Später in Deutschland habe ich dann Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt um ein kleines Fläschchen dieses schwedischen Birkenöls zu importieren aber die eigenen Mischversuche mit Butter waren lange nicht so genussvoll wie bei diesem Frühstück. „The kitchen is cloed today“ – auch heute noch Standardspruch, wenn nicht gekocht wird.

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