Kulinarische Begegnungen 21 – Patrizio

Zu unseren beliebtesten Ausflügen aus der Stadt Barcelona gehörte jahrelang ein Tagesausflug nach Casteldelfels. Das geht bequem mit dem Bus. Ziel war nicht nur der breite und kilometerlange Sandstrand sondern die Strandbude von Patricio, die von der Strassenseite ziemlich runtergekommen und wenig einladend aussah, von der Strandseite jedoch verlockende Aussicht auf das Meer bot. Perfekte Lage.

Das war ein Chiringuito der Bilderbuch-Art. Wahrscheinlich ohne Genehmigung gebaut, grob gemauert, Wellblechdach, eine zum Strand hin offene Terrasse, drinnen eine große Küche mit Holzkohlegrill. Seit Jahrzehnten hatte sich die Küche legendären Ruf erkocht, nicht zuletzt wegen der Portionen, die hier serviert wurden. Der Parkplatz immer voller Nobelkarossen und einschlägigen Sportwagen schwäbischer Produktion.Vor allem Sonntags. Kurzum, die Baracke war Kult. Und die zahlreichen Besuche dort in allerbester Erinnerung.

Meist hatten wir telefonisch einen Tisch reserviert, draussen. Im Schatten. Weiße Tischdecken, Stoffservietten, Eiskühler, Ingredenzien, die man hier nicht erwartete. Erstmal ein Fläschchen kühlen Weisswein, dann ein Blick in die Karte (das war eigentlich nicht nötig, wir wussten vorher, was wir bestellen wollten). Waren wir im Frühjahr dort, dann bestellten wir Calcots, eine Art Frühlingslauch, das bis zur Verkohlung in heißer Asche gegrillt wird. Serviert wurde das hier auf einer tönernen Dachpfanne, gegessen wird mit den Fingern, jeder bekommt vor Verzehr ein Papierlätzchen umgebunden, das Ganze ein großer und köstlicher Spaß. Die fingerdicken Calcots, etwa zwanzig Stangen pro Person sind rasch verputzt, Zeit für ein zweites Fläschchen Vino blanco. Waren wir ausserhalb der Calcots-Saison dort und das war oft der Fall wenn Freunde zu besuch kamen, dann kamen selbstverständlich Meeresfrüchte auf den Tisch. So, wie sie sein mussten, frisch, schmackhaft, wunderbar.

Conejo  al horno – Kaninchen vom Holzkohlegrill. Die Spezialität der Baracke. Und die wird in Spanien nicht wie bei uns in einzelnen Teilen serviert, sondern auf den Teller kommt das längs aufgeschnittene halbe Tier inklusive Kopf, angeblich deshalb, um zu dokumentieren, dass es keine Katze ist. So die Legende. Auf jeden Fall waren diese Kaninchen in ihrer einfachen Zubereitung köstlich, die Patatas bravas und das gegrillte Gemüse hätte es nicht bedurft. Butterzartes krosses Fleisch, vermischt mit den Sandkörnern des Strandes und der salzige Brise des Meeres.

Orujo, der harte Tresterbrand……, Cafe solo, vielleicht noch nen Brandy…….Es waren wunderbare Aufenthalte hier.

Vor einigen Jahren wurde der Laden abgerissen. Heute befindet sich an der Stelle eine schick asphaltierte Promenade entlang des Strandes, ziemlich langweilig mit einigen aufgemotzten Buden, die Fritten und Cola anbieten. Lebendige Kultur sieht anders aus.

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