Kulinarische Begegnungen 18 – Franz Denzer

Im Gegensatz zum Rheinländer, der bekanntlich ja ein wenig zur Übertreibung neigt, ist der Schwabe mehr der bescheidene Tiefstapler. Als wir den Tip bekamen, uns doch mal in Zöbingen (Ostalbkreis) den dortigen Lebensmittel-Laden anzuschauen, ahnten wir nicht, was kommen sollte. Die Rede war von einem Tante-Emma-Laden, der eine „ordentliche“ Weinauswahl haben soll.

Weit, weit untertrieben. Dieser Laden ist ein seltenes Unikat, scheinbar aus vergangenen Zeiten. Das ist ein „Supermarkt“ wie vor 30 Jahren. Eine Ordnung der Waren ist zunächst nicht festzustellen, die Auswahl scheint vollkommen, das Angebot bis unter die Decke. Alles drängt sich auf engstem Raum. Eine unkonventionelle Regalbefüllung. Alle ein bisschen chaotisch. Und dann entdecken wir die Weinregale und sind aus dem Stand überrascht über das was hier angeboten wird. Internationale und nationale Spitzenweine ebenso wie einfache Trollinger und Lemberger. Wir schlendern so durch die Regale und bemerken im hinteren Teil des Ladens noch eine Art „Schatzkammer“, wo ältere Jahrgänge stehen.

Der bis dahin an der Kasse stehende Inhaber des Supermarktes hat längst bemerkt, dass wir keine Einheimischen sind und fragt, ob wir was spezielles suchen würden. Ne, nur mal so gucken was hier so angeboten wird. Mit schelmischen Lächeln schließt er den Laden ab und führt uns durch den Hinterausgang zu der danebenliegenden Scheune. Als er die beiden mächtigen Tore der Scheune öffnet bleibt uns der Mund offen stehen angesichts, dessen, was hier gelagert wird. Tausende Weinflaschen, hunderte Kisten – alles kreuz und quer. Auch hier eine Ordnung, die sich nur dem Inhaber erschließt.

Es ist ein überwaltigendes Angebot, die Weinliste fast ein Buch. Und Franz Denzer kommt ins erzählen, kann natürlich zu jedem Wein was sagen, reist hier ne Kiste auf und empfiehlt die eine oder andere Probierflasche. Sein schwäbischer Dialekt ist für den Rheinländer fast schon Comedy, es macht einfach Spaß. Man merkt seine Begeisterung, er ist kaum zu bremsen und erst als wir fragen, wer denn jetzt im Supermarkt steht……..Natürlich haben wir einige Kisten mitgenommen, natürlich sind wir seither oft nach Zöbingen gefahren und selbstverständlich haben wir die inzwischen von ihm in Ellwagen eröffnete Weinbar besucht.

Das Angebot wächst weiter wie er immer betont und immer mehr Schwaben würden sich auch hin und wieder mal was Teueres gönnen.

Das Bild gibt leider nur einen unzureichenden Eindruck der Scheune wieder und stammt aus dem ersten Besuch.

 

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