Kulinarische Begegnungen 10 – Santa Lucia

Im Norden der Toskana. Vorbei am Friedhof von Pietrasanta Richtung Camiore gibt es auf der linken Seite einen kleinen Abzweig. Nur ein kleines Holzschild weist den Weg in das Bergdorf Santa Lucia. Die zunächst harmlose Strasse entpuppt sich im Verlauf als feine Serpentinenstrecke, die insbesondere Nachts Außergewöhnliches bietet. Dann nämlich ist der ganze Berg ein ein feines, flimmerndes Leuchten getaucht, hervorgerufen von tausenden Glühwürmchen. Ende Mai Anfang Juni waren wir in verschiedenen Jahren mehrfach hier und hatten jedes mal das Glück dieses  doch ziemlich romantische Naturphänomen beobachten zu können.

Nach einigen Kilometern zahlreicher U-Turns gelangt man nach Monteggiori, einem kleinem Dorf, berühmt für sein Restaurant „Le tre Terrazze“ (Link hier), das eine phantastische Aussicht auf die versilianische Küste bietet. Ein Spaziergang durch das Dorf lohnt, aber unser eigentliches Ziel ist eine kleine Kneipe in Santa Lucia, direkt neben der Kirche. Die restlichen Kilometer sind schnell gefahren und wir lassen den Wagen unterhalb der Kirche stehen und gehen den steilen Hang zu Fuß weiter.

Ein kleiner Vorsprung neben der Kirche ist die Aussichtsstelle, die höchste des Berges, von hier können wir bis nach Carrara blicken, die nächtliche Küste vor uns. Und während wir so vor uns hin schwärmen, beginnt ein Chor alter Frauen, alle in schwarz gewandet, in der Kirche zu singen. Das Ave-Maria mit Inbrunst, nachts in Italien mit Blick aufs Meer. Gänsehaut. Ein unverlierbarer toskanischer Moment, den wir dann doch noch eine Weile auskosten und erst dann die kleine Kneipe neben der Kirche betreten.

Vor der Türe zwei wackelige Stühle, drinnen ein alter Wirt, der uns erst mal kühlen weißen Wein hinstellt und als wir die Frage nach einem Häppchen nickend beantworten bittet er uns, auf den Stühlen platz zu nehmen. Nach einer Zeit kommt er mit einem Tablett. Darauf Stullen. Nein, das waren keine Stullen, das waren Monsterstullen. Zwei zwei-Zentimeter dicke Weißbrotscheiben, dazwischen jeweils mindestens hundert Gramm Salami oder Schinken oder frischer Peccorino. Basta. Selten haben mir Stullen so gut geschmeckt, wie in dieser Nacht, in der es nicht bei dem einen Glas Wein geblieben ist. Wie immer eigentlich dort.

Heute steht an gleicher Stelle ein Slow-Food-Restaurant, bekannt für seine Wildschweinspezialitäten.

 

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